Alles über das Weisse Gold – das ABC des Porzellans

24.01.2016 |  Von  |  Allgemein
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Alles über das Weisse Gold – das ABC des Porzellans
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Porzellan besteht neben einigen Spurenelementen aus drei Hauptbestandteilen. Diese sind Tonsubstanz (Kaolin), Feldspat und Quarz.

Der Herstellungsprozess des auch „Weisses Gold“ genannten Materials wurde im Kaiserreich China im Jahre 620 entwickelt. Danach wurden die zur Herstellung erforderlichen Materialien und Methoden lange Zeit geheim gehalten.

Grundmaterialien im chinesischen Porzellan sind Kaolin (eine spezielle Tonart ohne Eisen) und „Petuntse“, dazu kommt feiner Quarz. Beim Brennprozess verbinden sich diese sich zu einem weissen, harten und glatten Material.

Zweite Entdeckung

Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus haben die Zusammensetzung von Porzellan Anfang Oktober 1708 in Dresden/Meissen ein zweites Mal entdeckt und nach Tschirnhaus‘ Tod wurde es von Johann Friedrich Böttger dort weiterentwickelt. Am 28. März 1709 vermeldete er in Dresden die Erfindung des europäischen Porzellans. 1710 entstand in Meissen auf der Albrechtsburg die erste europäische Porzellanproduktionsstätte, die Weltgeltung erreichte.

Auch heute noch haben die verschiedenen Porzellansorten je nach Herkunftsregion ihre ganz besondere Zusammensetzung. Das genaue Mischungsverhältnis wird von den Herstellern geheim gehalten, und für besondere Massen gelten zum Teil deutlich abweichende Mischungsverhältnisse. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es sich bei den Grundstoffen um natürliche Mineralvorkommen handelt, deren Zusammensetzung von Region zu Region sehr unterschiedlich ist. Porzellan unterscheidet sich von anderen Werkstoffen durch sein Sinterverhalten: Der Feldspatanteil im Porzellan schmilzt während des Brennvorganges, jedoch kristallisiert er beim Abkühlen aufgrund seiner Zähigkeit nicht wieder aus: Porzellan „verglast“.



Brennprozess

Porzellan wird üblicherweise zweimal gebrannt. Zunächst erfolgt ein Schrühbrand (Glühbrand/Biskuitbrand) bei ca. 900°C – 1000°C, bei dem ein poröser, relativ empfindlicher Scherben entsteht. Die Porösität sorgt dafür, dass sich die dann folgende Glasur gut mit dem Stück verbinden kann. Nach dem Glasieren erfolgt der Glattbrand (Garbrand/Endbrand), bei dem die Glasur schmilzt und den Scherben mit einer dekorativen und schützenden Aussenhaut überzieht.

Je nach gewünschtem Dekor können in verschiedenen Zwischenschritten Farbkörper, färbende Metallsalze unter, in oder auf die Glasur aufgebracht werden. Man spricht dabei von Aufglasurdekor, Inglasurdekor oder Unterglasurdekor. Manchmal werden auf besonders edle Porzellane in einem dritten Brand Dekore aus Echtgold oder anderen Edelmetallen aufgebracht. Die Brenntemperatur in diesem Brand liegt typisch um 850°C und sorgt für eine feste Verbindung zwischen Metall und Glasuroberfläche. Der Scherben selbst wird bei diesem Brand nicht mehr verändert.

Merkmale

Kennzeichen des Porzellans: Es hat einen dichten Scherben, muscheligen Bruch und grosse Härte. Es ist säure- und laugenbeständig, nur Flusssäure kann es angreifen. Teilweise ist es bis zu einer gewissen Scherbenstärke mehr oder weniger transparent (durchscheinend) und hat einen hellen Klang. Porzellan besitzt eine gute Isolierfähigkeit gegen Elektrizität und ist ein schlechter Wärmeleiter.

Bisquitporzellan / Biskuitporzellan bezeichnet unglasiertes Porzellan, meistens als feines Relief für Münzen oder Medaillons verwandt. Hierbei wird der geschrühte Porzellanscherben durch Schleifen geglättet und ohne Glasur auf Hochtemperatur dichtgebrannt.

Was ist was?

Bone China oder auch Knochenporzellan bezeichnet ein in England entwickeltes Rezept, bei dem durch Zugabe von bis zu 50 % Rinderknochen-Asche eine besonders hohe Transparenz erreicht wird. Wirksame Bestandteile der Knochenasche sind die hohen Anteile an Kalzium-Oxid und Kalzium-Phosphat. Eine Eigenart des Knochenporzellans ist die Brennfolge: Die Temperatur beim Schrühbrand liegt dort höher als beim Glattbrand. Es zählt zu den Weichporzellanen.


Porzellan wird oft als das weisse Gold bezeichnet. (Bild: JuliaST – Shutterstock.com)

Porzellan wird oft als das weisse Gold bezeichnet. (Bild: JuliaST – Shutterstock.com)


Glasuren sind dünne, Glasüberzüge, die zwei wesentliche Forderungen erfüllen. Zum einen machen sie den porösen Tonkörper nahezu wasserdicht und geben ihm eine leicht zu reinigende Oberfläche. Zum anderen ermöglichen sie eine abwechslungsreiche, dekorative Gestaltung der Keramiken. Glasuren können farbig, transparent oder deckend (opak), glänzend, halbmatt oder matt sein. Sie können weich und niedrig schmelzend (max. 1.000 °C) oder hart und hoch schmelzend (Über 1.200 °C) sein. Nach ihrer chemischen Zusammensetzung kann man z.B. zwischen Borosilikat-, Feldspat-, Salz- und bleihaltigen Glasuren unterscheiden. Die Glasuren werden häufig (z.B. Tonwaren) erst nach dem Schrühbrand der Ware aufgebracht (Tauchen, Spritzen, Pinseln, Stempeln) und in einem erneuten Brennprozess (Glattbrand), der aber unterhalb der Brenntemperatur des Rohlings liegen muss, verglast.

Man unterscheidet zwischen Aufglasurdekor, Inglasurdekor und Unterglasurdekor.

Hartporzellan hat Anteile an Kaolin/Feldspat/Quarz etwa im Verhältnis 50/25/25 und ist ein „hart“ (heiss) gebranntes Porzellan, das bei hohen Temperaturen von über 1.350°C bis zu 1.460°C gebrannt wird. Es verleiht dem Fertigprodukt eine höhere Schlagbiegefestigkeit (Härte). Das von Böttger entwickelte Meissener Porzellan ist ein Hartporzellan

Keramik stammt aus dem Altgriechischen. „Keramos“ war die Bezeichnung für Ton und die aus ihm durch Brennen hergestellten formbeständigen Erzeugnisse. Die Produktion von Keramik gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Ihre älteste Nutzung scheint bei semi-sesshaften Jägerkulturen im Gebiet des oberen Nil erfolgt zu sein. Ihre enorme Verbreitung verdankt sie aber ursprünglich den erweiterten Möglichkeiten zur Aufbewahrung (Vorratshaltung) von Nahrung. Keramik kann modelliert, gegossen oder gepresst werden.

Sie kann aus Tonerde (Kaolin), Quarz, Feldspat und Kalk zusammengesetzt sein und hat als „Irdengut“ einen porösen nicht durchscheinenden, kristallisierten Scherben.

Majolika (manchmal auch Maiolica nach der altitalienischen Bezeichnung für Mallorca) bezeichnet Objekte aus gebranntem Ton, oft ohne Bemalung (Halb-Porzellan), oder auch eines aus gewöhnlichem Steingut, das mit einer deckenden weissen Zinnglasur überzogen ist.

Anschliessend mit leuchtenden Farben bemalt, kann derart aufwändig hergestellte Keramik Jahrhunderte überdauern, ohne dass die Farben ihren Glanz verlieren. Verzichtet man auf Glasur und Bemalung, spricht man von „Terrakotta“.



Reinigung und Pflege

Die häufigsten Beschädigungen passieren beim Einstellen und Entnehmen des Geschirrs aus der Geschirrspülmaschine, weshalb man die einzelnen Teile so einfüllen sollte, dass ein Aneinanderschlagen ausgeschlossen ist.

Bei vielen Tafelservicen werden die Farben bei über 1000°C in die Glasur eingeschmolzen. Hierbei erweicht die Glasur und der Dekor sinkt in die Glasur ein. Dadurch wird er unzerstörbar in Farbe und Leuchtkraft. Diese Dekorgruppe besitzt auch hinsichtlich Abrieb- und Kratzfestigkeit die besten Eigenschaften (Golddekore sind allerdings durch die natürlichen Materialeigenschaften nicht völlig unempfindlich gegen Verkratzen). Zeichen: Kreis mit 3 Wellenlinien

Bei anderen Dekoren werden die Farben bei mindestens 750°C auf die Glasur gebrannt. Durch die Verwendung widerstandsfähiger Farben wird eine so starke Verbindung mit der Glasur erreicht, dass die Spülmaschine dem Dekor kaum etwas anhaben kann. Das Service kann bei Anwendung des Schongangs (55°C) in der Spülmaschine gereinigt werden. Hinweise der Hersteller von Spülmaschinen und Spülmitteln über die Schoneigenschaften ihrer Produkte beachten. Zeichen: Kreis mit 2 Wellenlinien.

Bei manchen Dekoren steht das Erscheinungsbild des Porzellans, bzw. seine künstlerische Gestaltung im Vordergrund. Der Gesichtspunkt der Spülmaschinenfestigkeit spielt hier bewusst eine untergeordnete Rolle. Die Verwendung hochwertiger Farben und die subtile Umsetzung fordern den Verzicht auf die Spülmaschine und es sollte unbedingt von Hand gereinigt werden. Zeichen: Kreis mit 1 Wellenlinie.

Manche Porzellane kann man sogar bedenkenlos in der Mikrowelle benutzen. Zeichen: Doppelhelix.

Scherben bezeichnet fachsprachlich in der Töpferei den für die Erstellung eines keramischen Werkstücks gebrannten Ton. Die chemische Umwandlung des Tons zum Scherben beginnt bei etwa 650°C. Der erste Brand (Vor- oder Schrühbrand) erfolgt zwischen 800 und 900°C.
Erst dann kann der Ton nicht mehr durch Wasser oder flüssigen Glasurbrei aufgeweicht werden. Der glasierte Scherben wird beim Zweitbrand (Glatt- oder Glasurbrand) bei 960 – 1100°C gebrannt

Schrühbrand bezeichnet den Brennprozess, auch Sintern genannt und ist sehr anspruchsvoll. Er erfordert eine sorgfältige Steuerung. Im so entstehenden „Scherben“ schliessen sich Kristalle an den Korngrenzen zusammen (Kristallwachstum) und werden (falls enthalten) durch glasige Anteile verkittet. Anteil und Art (Korngrössenverteilung, Texturen etc.) der Kristall- und Glasphase sowie der Poren bestimmen die Eigenschaften des gebrannten Gutes. Die angewandten Temperaturen liegen bei bis zu 1400°C.

Steinzeug oder Steingut: Reinweisser bis elfenbeinfarbener, poröser Scherben mit durchsichtiger Glasur. Rohbrand 1150 – 1250°C; Glasurbrand >960°C, aber unterhalb der Rohbrandtemperatur; meist durchscheinend oder farblos

Weichporzellan hier liegen die Anteile von Kaolin/Feldspat/Quarz bei ungefähr 30/30/40 und ist ein bei geringer („weicher“) Temperatur – bis maximal 1350°C – gebranntes Porzellan. Es ist weniger widerstandsfähig und deutlich stossempfindlicher als Hartporzellan.
Zu den Weichporzellanen zählen neben dem traditionellen asiatischen Porzellan die pâte traditionelle der Manufaktur von Sèvres nach chinesischem Vorbild, das Wedgwoodporzellan und das Knochenporzellan (Bone China).

 

Artikel von: livingpress.de
Artikelbild: © Shkvarko – Shutterstock.com

Über Samuel Nies

Als gelernter Informatikkaufmann war für mich schon schnell klar, dass die Administration von verschiedenen Systemen zu meinem Gebiet werden sollte. Um aber auch einen kreativen Anteil in meinen Arbeitsalltag zu integrieren, verschlug es mich in die Welt des Web Content Management.


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