Bei Herznotfällen zu Hause: Erste-Hilfe-Defibrillatoren retten Leben

10.11.2014 |  Von  |  Allgemein

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Viele Hotels haben sie seit Langem und so ziemlich jede europäische U-Bahnstation ist mit ihnen ausgestattet. Sie sind klein, handlich und machen fast alles von selbst. Ungeübte Personen versetzen sie in die Lage, Leben zu retten. Und seit einiger Zeit halten sie zunehmend auch Einzug in Privathaushalte. Die Rede ist von Erste-Hilfe-Defibrillatoren.

Jedes Jahr erleiden etwa 10’000 Menschen in der Schweiz einen plötzlichen Herzstillstand. Viele von ihnen sterben dabei, weil Familienmitglieder oder andere anwesende Personen oft nicht wissen, was zu tun ist. Mit den richtigen Rettungsmassnahmen kann jedoch effektiv geholfen werden. Ein Defibrillator leistet dabei ausgezeichnete Hilfe.



Jede Minute zählt

Viele kennen eine solche Situation aus Arzt- oder Krankenhausserien im Fernsehen: In der Notaufnahme, einem Behandlungsraum oder im OP knallt der TV-Arzt einem Patienten mit Herzstillstand Plattenelektroden auf die Brust, brüllt „Weg vom Tisch“ und löst einen Elektroschock aus, bei dem der Patient einen halben Meter in die Höhe geworfen wird. Verantwortlich für eine solche lebensbedrohliche Herzsituation ist am allerhäufigsten Kammerflimmern. Das Herz zittert nur noch und pumpt nicht mehr im normalen Rhythmus. Dieser organische Extremzustand lässt sich nur durch einen Elektroschock – der sogenannten Defibrillation – stoppen. Allerdings ist es hierbei zwingend erforderlich, dass dieser Elektroschock sofort und ohne zeitliche Verzögerung ausgelöst wird. So bestehen die günstigsten Chancen, wenn der Elektroschock innerhalb von fünf Minuten abgegeben wird; bereits nach 10 Minuten wird ein Überleben sehr unwahrscheinlich.

Der Unterschied zwischen dem Auftreten einer solchen Notlage im Krankenhaus und dem häuslichen Bereich ist die Tatsache, dass professionelle Hilfe und benötigte Spezialgeräte in den eigenen vier Wänden in aller Regel nicht zur Verfügung stehen. Zwar kann über die Notrufnummer 144 der Rettungsdienst gerufen werden, doch bis der Notarzt vor Ort eintrifft, ist viel zu viel wertvolle Zeit vergangen – Zeit, die lebenswichtig ist! Vor allem seit der Novelle im Verkehrsrecht wird die Soforthilfe durch anwesende Laien noch dringlicher, da die verschärften Bedingungen des neuen Strassensicherheitsgesetzes der Schweiz nämlich auch für Geschwindigkeitsüberschreitungen bei Rettungsfahrten gelten. Die Folge: Notarztwagen fahren langsamer und benötigen noch länger, um am Einsatzort einzutreffen. Um hier dennoch helfen und Menschenleben retten zu können, kann sich die Anschaffung eines Erste-Hilfe-Defibrillators sehr lohnen.

Mit einem Erste-Hilfe-Defibrillator wird schnelle Rettung bei plötzlichem Herzstillstand auch zu Hause möglich. (Bild: Njene / Shutterstock.com)

Mit einem Erste-Hilfe-Defibrillator wird schnelle Rettung bei plötzlichem Herzstillstand auch zu Hause möglich. (Bild: Njene / Shutterstock.com)




80 Prozent aller Herzstillstände treten zu Hause auf

Nervliche Belastungen am Arbeitsplatz oder im Strassenverkehr stellen vor allem für Menschen mit Herzerkrankungen nicht zu unterschätzende Gefahren dar. Zudem kommt es oft auch im privaten Umfeld zu Stresssituationen. Schlechte Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Allgemeinbefinden sind die Folge. Statistiken zeigen, dass rund 80 Prozent aller Herzstillstände zu Hause auftreten. Damit wird deutlich, wie wichtig eine schnelle und richtige Reaktion auf derartige Notfälle vor allem im häuslichen Bereich ist. Seit geraumer Zeit werden daher Erste-Hilfe-Defibrillatoren von vielen Apotheken und Onlineshops angeboten. Auch Lebensmitteldiscounter hatten bereits derartige Geräte im Sortiment.

Vor dem Umgang mit einem solchen Gerät braucht sich niemand zu fürchten. Bei den meisten Erste-Hilfe-Defibrillatoren erfolgt die Bedienung im Ernstfall sprachbegleitet. Das heisst, der Anwender nimmt das Gerät lediglich aus der Wandhalterung und schaltet es ein. Alle Anweisungen erfolgen dann über eine Computerstimme, die beispielsweise zum Anlegen der Elektroden auffordert und weitere Hinweise zur Durchführung der Rettungsmassnahmen gibt. Vor dem Auslösen eines Schocks prüft das Gerät zudem, ob tatsächlich Kammerflimmern vorliegt und löst eine Defibrillation nur dann aus, wenn sie wirklich erforderlich ist.



Nie vergessen werden darf natürlich, in derartigen Notsituationen trotz eines vorhandenen Erste-Hilfe-Defibrillators in jedem Fall und ausnahmslos zuallererst den Rettungsdienst zu alarmieren. Sind mehrere Familienmitglieder daheim, ist es sinnvoll, dass eines von ihnen sich um die Defibrillation kümmert, während ein anderes die Notrufnummer wählt und die Lage schildert.



Wertvolle Hinweise vor und nach dem Kauf

Wer einen Defibrillator im Internet erwerben will, sollte unbedingt darauf achten, bei einem seriösen Anbieter zu kaufen. Neben klar formulierten Geschäftsbedingungen und kundenfreundlichen Zahlungsarten spielt auch die Artikelbeschreibung eine wichtige Rolle. Sie muss möglichst ausführlich sein und alle relevanten Informationen beinhalten, die für die Kaufentscheidung vonnöten sind. Gut kann es zudem sein, vor der Anschaffung Rücksprache mit seinem Hausarzt oder Kardiologen zu halten. Die Mediziner können wertvolle Hinweise geben und vielleicht sogar nach der Lieferung des Defibrillators eine kleine praktische Einweisung in die Bedienung des Gerätes geben. Auf diese Weise kann oft mehr Wissen und damit auch mehr Sicherheit gewonnen werden, als nur durch das Studium der dem Gerät beiliegenden Bedienungsanleitung.

Ein wichtiger Tipp zum Schluss: In jedem Haushalt sollte an einem festen und allen Familienmitgliedern bekannten Ort nicht nur der Erste-Hilfe-Kasten, sondern auch ein anders wichtiges Hilfsmittel für den Notfall leicht zugänglich sein – eine Telefonnummernliste: Ärzte, Rettungsdienst und zu benachrichtigende Angehörige. Direkt daneben wäre dann auch der ideale Ort für die Anbringung des Defibrillators.




 

Oberstes Bild: © Jes2u.photo – Shutterstock.com

Über Christian Schreiber

Christian Schreiber ist seit mehr als 15 Jahren als Autor tätig und hat bereits für Verlage wie Rowohlt, die Verlagsgruppe Random House (Bertelsmann) sowie verschiedene Zeitungen gearbeitet.
Neben der Erstellung vielfältiger Sachtexte zu den unterschiedlichsten Themenfeldern befasst er sich insbesondere mit Rechts- und Finanzangelegenheiten und gibt Wohn- und Einrichtungstipps.


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