Beiträge der Krankenkasse: Eltern kommen oft für die Prämien ihrer Kinder auf

12.03.2015 |  Von  |  Publi-Artikel

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Noch vor einigen Jahren fielen die Krankenkassenbeiträge für junge Menschen in der Schweiz besonders gering aus. Doch der demografische Wandel schlägt sich immer stärker auch bei der AHV nieder: Die Gruppe der 19- bis 25-Jährigen wird seit einigen Jahren mit überproportional steigenden Prämien für die Krankenkasse belastet.

Doch wie eine von Gesundheitsökonomen der CSS-Versicherung durchgeführte Studie kürzlich ermittelte, werden die Beiträge häufig nicht von dieser Altersgruppe selbst entrichtet – faktisch sind es oft die Eltern, die für die Prämien ihrer Kinder aufkommen.

Zunehmende Umverteilung führt zu steigenden Prämien der jungen Beitragszahler

Da das Risiko folgenschwerer und damit kostspieliger Erkrankungen in der Gruppe der 19- bis 25-Jährigen besonders niedrig ausfällt, waren die Krankenkassenprämien in der Schweiz für diese Altersgruppe entsprechend niedrig. Damit entsprachen sie den marktwirtschaftlichen Gesetzmässigkeiten.

Doch weil künftig immer weniger Beitragszahler immer mehr Leistungsbezieher finanzieren müssen, verteilt das Gesundheitssystem die Lasten von der jungen zur alten Generation um. Diese Umverteilung betrug im Jahre 1996 noch 2,7 Milliarden Franken, wie Martin Eling, Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, berichtet. Im Jahr 2012 hat sich dieser Wert aber bereits auf 6,1 Milliarden Franken nahezu verdoppelt. Auch die Gesamtkosten der Grundversicherung haben sich im selben Betrachtungszeitraum von 10 auf 20 Milliarden Franken erhöht.

Solvente Eltern tragen oft die Beiträge der Jungen

Die Umverteilung wird durch einen Risikoausgleich geschaffen, den alle Krankenkassen für ihre jungen Mitglieder zu zahlen haben. Hierdurch wird der wirtschaftliche Vorteil des geringeren Leistungsrisikos wieder ausgeglichen, sodass die Prämienrabatte für junge Versicherte ebenfalls immer weiter reduziert werden. Nur den älteren Beitragszahlern ist es zu verdanken, dass es überhaupt noch Prämienrabatte gibt: Ihre Prämien sind es, mit denen die geringen Beiträge der jüngeren Menschen subventioniert werden.

Die offensichtlichen Schwierigkeiten der jungen Generation mit der Finanzierung ihrer hohen Krankenkassenbeiträge werden auch durch eine andere Zahl verdeutlicht: Von derzeit 1,8 Milliarden Franken, die diese Altersgruppe jährlich entrichtet, entfallen 260 Millionen Franken durch staatliche Prämienverbilligung. Wie Viktor von Wyl, Gesundheitsökonom der CSS, kürzlich ermitteln konnte, werden weitere 675 Millionen direkt von den Eltern getragen. Dies erklärt auch die äusserst ungleiche Beitragslast: Während die Gruppe der 19- bis 25-Jährigen jährlich nur 1083 Franken Prämien zahlte, übernahm die Gruppe der 46- bis 55-Jährigen durchschnittlich 3976 Franken – also fast den vierfachen Wert.

Viktor von Wyl wies den Vorwurf, dass das System der Krankenkasse die junge Generation übermässig zur Kasse bitte, auch in einem anderen Punkt zurück: Die heute noch jungen Beitragszahler würden in einigen Jahren ebenfalls vom Risikoausgleich profitieren. Doch bei genauerer Betrachtung der Zahlen erscheint es umso fraglicher, ob das System unter diesen Umständen überhaupt noch finanzierbar bleibt. Denn sobald die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er in Rente gehen, werden in kurzer Zeit viele Beitragszahler durch Leistungsempfänger ersetzt werden.

 

Oberstes Bild: © Gina Sanders – Fotolia.com

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