Der Humidor: Das Schatzkästchen des Zigarrenrauchers

04.07.2014 |  Von  |  Allgemein
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Der Humidor: Das Schatzkästchen des Zigarrenrauchers
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Raucher haben es nicht leicht. Wie eine bedrohte Tierart werden die Anhänger des Tabaks in immer engere ökologische Nischen zurückgedrängt. Auf Bahnhöfen und anderen öffentlichen Orten stehen sie Schulter an Schulter innerhalb eines abgeklebten Vierecks und gehen ihrem Laster nach. Und das Gemeine daran: Wenn wir an solchen geballten Rauchzonen vorbeikommen und uns der beizende Zigarettenqualm den Atem verschlägt, denken wir – „Richtig so – bleibt schön dort stehen“.

Es gibt eine Spezies unter den Rauchern, die über die Rauchzonen-Zigarettenqualmer ebenso verständnislos die Nase rümpfen wie alle Nichtraucher. Diese Spezies hat eine Menge Wissen, Herzblut und Geld in ihr Genussmittel investiert und unterscheidet sich von dem Zigarettenraucher wie ein Anhänger der Gastrosophie von Fast-Food-Restaurant-Besuchern. Gemeint ist der Liebhaber kubanischer Zigarren. Er raucht nicht, er zelebriert.



Ein kostbares Produkt wie die kubanische Zigarre braucht für ihren Genuss ein würdiges Umfeld. Eine kubanische Zigarre wird nicht hastig zwischen Mittagessen und Spaziergang heruntergeraucht. Sie braucht Selbstbesinnung, Konzentration, Ausgeglichenheit und Ambiente. Kettenraucher und neurasthenische Tabakjunkies werden unter Zigarrenfreunden selten zu finden sein. Wohlgemerkt: Wir sprechen nicht von jenen Teufelsmaschinen, mit denen die Generation unserer Grossväter funkensprühend und atemraubend die Umwelt verpestete. Eine kubanische Zigarre ist ein einmaliger und nicht alltäglicher Genuss.

Wein und Zigarren wollen sich wohlfühlen

Zigarrenliebhaber sind wie Weinfreunde: Sie haben sich ein enzyklopädisches Wissen über ihr Lieblingsgenussmittel angeeignet. Sie tun dies nicht, um die Laienwelt mit Vorträgen zu langweilen, sondern aus Interesse und Respekt vor dem Kulturprodukt. Wein- und Zigarrenfreunde wissen, wie empfindlich die Erzeugnisse sind, die ihnen am Herzen liegen. Deshalb haben sie sich intensiv mit dem Thema Lagerung beschäftigt. Die Ansprüche, die edle Weine und edle Zigarren an ihren Lagerort stellen, lassen sich auf einen Nenner bringen: feucht und dunkel.

Zigarrenliebhaber haben es besser als Weinfreunde: Die Zigarren nehmen nicht so viel Platz weg. Ausserdem ist für die Zigarre der ideale Lagerort erfunden worden. Er besteht aus einem Holzkästchen, das durch Material und sinnreiche Hilfsmittel jenes Klima der Tropen nachahmt, in dem sich Tabakblätter am wohlsten fühlen. Dieses Holzkästchen heisst Humidor.



Weinlagerung ist auch ohne Keller möglich. Zigarrenlagerung ohne Humidor nicht. Eine Zigarre, die in Raumluft lagert, verliert an Aroma und Feuchtigkeit. Das Deckblatt bekommt Risse. Eine Zigarre, die zu feucht lagert, sammelt auf dem Deckblatt Schimmelsporen. Nur im Humidor herrschen die exakt passenden klimatischen Bedingungen für das exklusive Pflanzenprodukt.

Die Innenräume der meisten Humidore sind mit dem Holz der Spanischen Zeder ausgekleidet. (Bild: Olexiy Bayev / Shutterstock.com)

Die Innenräume der meisten Humidore sind mit dem Holz der Spanischen Zeder ausgekleidet. (Bild: Olexiy Bayev / Shutterstock.com)

Willkommen im Humidor

Treten wir ein in die Welt des Schatzkästchens der Zigarrenraucher. Die Innenräume der meisten Humidore sind mit dem Holz der Spanischen Zeder ausgekleidet. Dessen zarte Duftstoffe schützen vor Tabakwürmern und unterstützen die Tabakwürze. Die Spanische Zeder absorbiert viel Feuchtigkeit und wirkt klimaausgleichend. Übrigens ist ein Humidor mit Massivholz-Aussenwänden nicht hochwertiger als ein Gerät mit MDF-(Mitteldichte Faserplatte)-Konstruktion. Der MDF-Humidor kann Feuchtigkeits-Spannungen ausgleichen und ist widerstandsfähiger gegen Risse.

Und jetzt den Deckel drauf. Dieser sollte durch alterungsfähige Scharniere mit dem Kästchen verbunden sein und luft-/blickdicht schliessen. In einem Humidor muss eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 68 und 74 % herrschen. Um diese zu erzielen, sind zwei Befeuchtungsmethoden erfunden worden: die Schwamm- und die Polymer-Technik. Bei der Schwamm-Methode wird der Feuchtigkeitsspeicher abwechselnd mit destilliertem Wasser und Propylenglykol getränkt. Die letztere Flüssigkeit sorgt für einen selbstregulierenden Feuchtigkeitsspiegel von 70 %.



Die Polymer-Technik basiert auf Hightech-Acrylpolymer, einem Kunststoff, der die vielfache Wassermenge seines Eigengewichts aufnehmen kann. Die Polymere stabilisieren die Luftfeuchtigkeit im Humidor dauerhaft und schnell auf 70 bis 72 %. Sie werden lediglich mit destilliertem Wasser getränkt. Wenn Sie Ihren Humidor zur regelmässigen Lüftung oder um ihm einen seiner Schätze zu entnehmen, öffnen, gleicht die Polymer-Technik Feuchtigkeitsschwankungen unmittelbar aus.



Neben dem Befeuchtungselement ist im Humidor ein Hygrometer eingebaut. Schliesslich wollen Sie wissen, ob der Feuchtigkeitsgehalt in Ihrem Zigarrenlager im optimalen Bereich liegt. Hygrometer funktionieren entweder mit einer Metallspirale oder mit Synthetikhaar. Die Metallspiralen-Geräte erlauben sich eine ziemlich hohe Messungenauigkeit – ein Synthetikhaar-Hygrometer ist also vorzuziehen. Abweichungen von plus/minus drei Grad sind in dem Feuchtigkeitsumfeld übrigens normal und treten selbst bei Laborhygrometern auf.

Vor der ersten Humidor-Benutzung müssen Sie den Hygrometer kalibrieren, also auf den richtigen Feuchtigkeitsgehalt einstellen. Die einfachste Methode: Nehmen Sie ihn aus dem Humidor heraus und wickeln Sie ihn in ein nasses Handtuch. Warten Sie eine Stunde und stellen Sie ihn dann mittels der rückseitigen Justierschraube auf 96 % relative Luftfeuchtigkeit. Jetzt das Befeuchtungselement füllen und die Zigarren können in ihre neue Wohnung einziehen.

Die Würde des Alters

Wenn Sie sich einen anständigen Humidor leisten und ihn nach den Regeln der Kunst warten, können Sie Ihre Havanna noch nach 30 Jahren in edlen Rauch aufgehen lassen. Damit sind Sie dem Weinfreund mal wieder einen Sprung voraus: Denn nicht nur besitzen Sie mit dem Humidor den idealen Lagerort – Sie müssen sich auch keine Sorgen um den Zustand Ihrer Sammlung machen. In einem guten Humidor wird nichts zu Essig. Und edle Kubaner reifen ebenso ausgewogen heran wie edler Bordeaux. Milder und balancierter schmecken sie schon nach drei bis sechs Monaten in Ihrem Schatzkästchen.



 

Oberstes Bild: © Andrey Armyagov – Shutterstock.com


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