Gartenjahr 2016 mit fünf Forderungen

29.08.2016 |  Von  |  Garten, News
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Gartenjahr 2016 mit fünf Forderungen
5 (100%)
1 Bewertung(en)

10 Millionen Einwohner in der Schweiz bis 2045 – so lauten die Prognosen. Zum Grossteil wird dieses Wachstum im heutigen Siedlungsgebiet aufgefangen werden müssen. Das heisst, dass sich mehr Menschen denselben Raum teilen müssen, darin wohnen, arbeiten und sich wohlfühlen.

Durch die Verdichtung geraten Freiräume unter Druck. Zum einen durch Bauprojekte, aber ebenso durch eine intensivere Nutzung. Und zugleich steigen die Ansprüche an diese Räume, insbesondere die öffentlichen und halböffentlichen. Sie sollen Erholung und Ruhe bieten, Kindern zum Spielen dienen, Raum zum sozialen Kontakt animieren und der Natur in der Stadt Raum geben.

Politik, Behörden, Fachleute und Grundbesitzer stehen vor riesigen Herausforderungen. Sie sind gemeinsam verantwortlich, dass die bauliche Verdichtung langfristig Lebensqualität schafft und Identität stiftet. Nur so wird das Zusammenrücken von der Bevölkerung akzeptiert.

Die Trägerschaft der Kampagne „Gartenjahr 2016 – Raum für Be-gegnungen“ appelliert mit fünf Forderungen an die Verantwortung sämtlicher Akteurinnen und Akteure für die Grün- und Freiräume.

1. Menschen – Freiräume für und mit den Menschen planen und schaffen

Die Menschen vor Ort nutzen Freiräume und sind für ihre Zukunft verantwortlich. Daher gilt: Die Bevölkerung gehört richtig und eng in Planungen einbezogen.

Grün- und Freiräume entstehen für die Menschen, die in ihrer Umgebung leben, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Die Aufgabe der Freiräume ist, die vielfältigen Bedürfnisse von heutigen und künftigen Nutzerinnen und Nutzer zu bedienen.


Eulachpark Winterthur (Bild: © Stefan Koepfli_koepflipartner)

Eulachpark Winterthur (Bild: © Stefan Koepfli_koepflipartner)


Der Einbezug der Bevölkerung ist kein notwendiges Übel, sondern die zentrale Chance, Anlagen zu erneuern oder zu bauen, die von den Menschen vor Ort angenommen werden. Die Aufgabe von Behörden und Fachleuten ist es, die Anliegen der Nutzenden anzunehmen und überzeugende und langfristige Lösungen zu erarbeiten.


Aire Bassin de Certoux (Bild: © Greg Bussien_Atelier Descombes Rampini)

Aire Bassin de Certoux (Bild: © Greg Bussien_Atelier Descombes Rampini)


2. Raum – Vorausschauend Freiräume sichern

Verdichtung konsumiert Grün. Daher gilt: Heute müssen Flächen für Freiräume von morgen gesichert werden.


Lettenareal Zürich (Bild: © Livio Piatti)

Lettenareal Zürich (Bild: © Livio Piatti)


Die fortschreitende Verdichtung lässt bestehende Zwischen- und Freiräume verschwinden. Die Sicherung von öffentlichen Freiflächen im Siedlungsraum ist eine Aufgabe der Gegenwart, die eine immense Bedeutung für die Zukunft unserer Städte und Dörfer hat. Sie bestimmt das langfristige Angebot an Naherholungsräumen, die Attraktivität von Grünverbindungen und Landschaftsbezügen, sowie die Qualität der Lebensräume von Tieren und Pflanzen.


Robert Walser Platz Biel (Bild: © Tobias Dimmler_SHS)

Robert Walser Platz Biel (Bild: © Tobias Dimmler_SHS)


Gefragt sind eine aktive Bodenpolitik der öffentlichen Hand, eine vorausschauende Planung und die konsequente Verteidigung von Schutzgebieten durch Bund, Kantone und Gemeinden.

3. Zeit – Freiräume sind eine Daueraufgabe

Freiräume verlangen Ausdauer. Daher gilt: Die Mittel und Kompetenzen für ihren Unterhalt müssen langfristig sichergestellt sein.

Die Eröffnung eines gestalteten Freiraums markiert nicht die Fertigstellung eines Bauwerks, sondern der Beginn eines offenen Prozesses. Freiräume befinden sich in einer beständigen Veränderung und Entwicklung.


Parco Ciani e della Foce Lugano (Bild: © Officina del paesaggio)

Parco Ciani e della Foce Lugano (Bild: © Officina del paesaggio)


Nicht nur Pflanzen wachsen und wandeln sich. Ebenso tun dies die Ansprüche der Nutzerinnen und Nutzern. Dieser Prozess muss begleitet, gepflegt und moderiert werden. Dafür sind langfristig die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen sowie Fachleute auszubilden und einzusetzen, welche die Freiräume fachgerecht pflegen und ihre Entwicklung begleiten. Dies gilt in besonderem Masse für wertvolle historische Anlagen.


Stadtgärtnerei Basel (Bild: © Robert Adam)

Stadtgärtnerei Basel (Bild: © Robert Adam)


4. Planung – Gewachsene Qualitäten erkennen und in die Planung einbeziehen

Unwissen und Hast haben zerstörerische Wirkung. Daher gilt: Bevor im gebauten Bestand geplant wird, muss die kulturgeschichtliche Bedeutung der Freiräume erfasst und benannt werden.

Bestehende Freiräume in Siedlungen, Vorstädten oder auf dem Dorf sind ein Zeugnis unserer Herkunft. Sie können wertvolle Kulturdenkmäler sein, an deren Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht. Ihr Wert ist im Entwicklungsprozess zu berücksichtigen.


Place et Jardins du Marché Renens (Bild: © Paysagestion SA)

Place et Jardins du Marché Renens (Bild: © Paysagestion SA)


Bund, Kantone und Gemeinden stehen in der Pflicht, dafür Ortsbild- Kulturgüter- und Garteninventare zu erstellen, zu pflegen und anzuwenden. Bauherrschaften und Planer stehen in der Pflicht, kulturgeschichliche Werte zu schützen und in ihren Projekten zu berücksichtigen.

5. Finanzierung – Planungsgewinne in Freiräume investieren

Trotz vieler Begehrlichkeiten gilt: Die Einnahmen von Planungsgewinnen gehören dorthin, wo Verdichtung nach mehr und besseren Freiräumen verlangt.

Verdichtung bedeutet: Grundeigentümer erhalten von der Gemeinde das Recht, mehr auf ihrem Grundstück zu bauen. Das revidierte Raumplanungsgesetz verlangt, dass mindestens 20 Prozent dieses Planungsgewinns für raumplanerische Massnahmen aufgewendet werden.


Aareufer Solothurn (Bild: © Tobias Dimmler_SHS)

Aareufer Solothurn (Bild: © Tobias Dimmler_SHS)


Stehen die Häuser enger, nimmt die Bedeutung des öffentlichen Raumes zu. Die Planungsgewinne müssen dort eingesetzt werden, wo Verdichtung stattfindet. Gut geplante und gebaute Freiräume nützen der Bevölkerung – und steigern die Attraktivität von Gebäuden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gartenjahr2016.ch.

 

Artikel von: Trägerschaft der Kampagne „Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnungen“
Artikelbild: Aabach Uster © Sebastian Heeb_SHS

Über belmedia Redaktion

belmedia hat als Verlag ein ganzes Portfolio digitaler Publikums- und Fachmagazine aus unterschiedlichsten Themenbereichen aufgebaut und entwickelt es kontinuierlich weiter. Getreu unserem Motto „am Puls der Zeit“ werden unsere Leserinnen und Leser mit den aktuellsten Nachrichten direkt aus unserer Redaktion versorgt. So ist die Leserschaft dank belmedia immer bestens informiert über Trends und aktuelles Geschehen.


Ihr Kommentar zu:

Gartenjahr 2016 mit fünf Forderungen

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die belmedia AG behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.