Lustige Küchenhelfer: Auch, was nicht unbedingt notwendig ist, kann nützlich sein

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Lustige Küchenhelfer: Auch, was nicht unbedingt notwendig ist, kann nützlich sein
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Fast keiner hat nur die Küchengeräte zu Hause, die wirklich notwendig oder täglich nützlich sind. Daneben können sich im Lauf der Zeit jede Menge ausgefallener, kurioser oder dubioser Geräte ansammeln – von Flohmarktfunden über Geschenke bis hin zu Verlegenheits- oder Spontankäufen.

Natürlich könnte man solche Küchengeräte und Werkzeuge einfach aussortieren und sich aufs Wesentliche beschränken. Aber dann würde meist doch etwas fehlen – denn lustige Küchenhelfer bringen mehr Farbe in den Haushalt, erzählen Geschichten und wachsen ihren Besitzern trotz des zweifelhaften Nutzwerts oft richtig ans Herz.

Eigentlich sind sie ja alle irgendwie nützlich

Viele Kleinigkeiten für die Küche werden angeschafft, weil sie einen klaren praktischen Nutzen haben, den man sofort erkennt, wenn man sie zum Beispiel im Ladenregal oder Katalog entdeckt. Sie vermitteln beim ersten Betrachten oder Anfassen ein regelrechtes Aha-Erlebnis – denn sie versprechen Lösungen für Probleme, die man bereits selbst erlebt hat und daher sofort nachvollziehen kann. Aus dieser spontanen Unmittelbarkeit entstehen der Eindruck, dieses Hilfsmittel sehr gut brauchen zu können, und der Wunsch, Küche und Haushalt durch den Kauf zu bereichern und zu verbessern.

Zwei schöne Beispiele dafür sind das Grapefruitmesser und der Maiskolbenhalter. Wer erst erkannt hat, wozu sie dienen, dem fällt sofort ein, wie er etwa beim Versuch, eine Grapefruithälfte sauber auszulöffeln, gekleckert und geklebt hat – oder wie er sich die Finger an einem gegrillten Maiskolben verbrannt hat, bevor ihm das buttertriefende Ding auch noch aus der Hand gerutscht ist und auf der Hose landete. Solche kleinen und grösseren Pannenerfahrungen beim Zubereiten, Servieren oder Verspeisen verschiedener Nahrungsmittel hat jeder schon gemacht – und kann jederzeit Dutzende davon abrufen.

Hat man den neuen Küchenhelfer aber erst einmal erbeutet und ins heimische Nest geschleppt, stellt sich oft heraus, dass man ihn im Alltag kaum oder gar nicht benutzt. Entweder stehen die Situation oder Aufgabe, für die er gedacht ist, tatsächlich nur ganz selten an, oder das Gerät erweist sich im Praxistest als Blender. Weggeworfen wird eine solche Errungenschaft aber meist nur dann, wenn sie wirklich gar nichts taugt.

Was schon beim ersten Versuch auf ganzer Linie versagt, indem es etwa zerbricht, durchschmort oder die Finger verletzt, landet folgerichtig in der Tonne oder auf der Reklamationstheke. Was hingegen zwar irgendwie funktioniert und das Problem lediglich nicht ganz wie versprochen löst, wird üblicherweise trotzdem behalten. Denn kleine Fehler lassen sich schnell verzeihen, und wer will schon einfach zugeben, dass er mal wieder etwas Unnötiges oder Unvernünftiges erworben hat? Die Idee ist immerhin nicht schlecht, und man kann ja auch nie wissen, wozu das Teil in der Zukunft gut sein wird – ausserdem ist in den Schubladen und Schränken meist noch ein bisschen Platz übrig.


Grapefruitmesser (Bild: Coyau, Wikimedia, CC)

Grapefruitmesser (Bild: Coyau, Wikimedia, CC)


Die vielen kleinen Freuden vieler kleiner Besitztümer

Erfahrungsgemäss tut es nicht weh, ein paar kleine Dinge zu viel zu besitzen – vor allem dann nicht, wenn sie mit einer kleinen Geschichte oder lebendigen Erinnerung verbunden sind. Und wenn dann tatsächlich einmal ein Tag kommt, an dem sich die Familie zum Auslöffeln von Grapefruithälften um den Tisch versammelt oder ein Freund mit einer Tasche voller frischer Maiskolben zum Grillabend kommt, kann man kleine Trümpfe aus dem Ärmel ziehen, und der Haushalt erstrahlt im Licht stilvollen Equipments für ausgefallene Gelegenheiten: Ein Maiskolbenhalter? Wie praktisch! Das habe ich ja noch nie gesehen! Was du nicht alles hast! Wir haben nicht einmal eine Hummerzange!

Aus philosophischer Sicht sind solche kleinen Besitzerfreuden und Angebereien natürlich kritisch zu betrachten. Doch sie fühlen sich toll an, schaden nicht und kommen ja auch nicht alle Tage vor. Ausserdem sind sie unterm Strich gut ausgeglichen, denn fast jeder macht dabei mit. Wie schon Dr. Spock wusste, sind Menschen nicht logisch. Sie spielen, probieren, experimentieren und lassen sich auch mit Freuden verführen – und dafür ist und bleibt die Küche einer der besten Bereiche im Haushalt.

Kleine Hitparade der zweifelhaften Küchenhelfer

Küchengeräte und Küchenwerkzeuge werden viel verschenkt – besonders gern zum Aus- und Einzug, zur Hochzeit, zum Geburtstag oder als Mitbringsel zu Festen, bei denen gemeinsam gekocht, gegrillt, gegessen und getrunken wird. Das Geschenk soll so praktisch wie originell sein, dabei nicht zu teuer, und zudem eine persönliche Note haben. Verpönt sind hingegen Sachen, die der Beschenkte schon besitzt oder auf die auch andere Schenker kommen könnten – womit üblicherweise sämtliche Klassiker der Grundausstattung bereits aus dem Rennen sind.

Nach Abzug der Standards und sicheren Posten (Topf, Pfanne, Toaster, Pürierstab etc.) bleiben aber jede Menge Erweiterungen, die auch einen echten und alltäglichen Nutzwert haben können – sofern sie zum Benutzer passen. Oft tun sie das nicht oder nur vorübergehend, und dann landen auch hochwertige Geräte zwangsläufig in den obersten Schrank- und hintersten Regalplätzen. Doch auch da sind sie noch nützlich – denn sie lassen sich auch prima weiterverschenken.

Zu den Rennern unter den verschenkten Küchenkleingeräten gehören die folgenden Geräte, von denen fast jeder mindestens eins im Haushalt hat, obwohl er es nie oder fast nie benutzt:

  • eine Nussmühle,
  • ein Entsafter,
  • ein Sandwichtoaster, Waffeleisen oder Browniemaker (meist sehr schwer zu reinigen),
  • ein Tischgrill (funktioniert prima, aber danach ist die ganze Wohnung voller Fett),
  • das Schokofondue-Set bzw. die kleine Pralinenwerkstatt für zu Hause,
  • eine Zwiebelschneidehilfe (gibt es in vielen lustigen Ausführungen),
  • eine Nudelpresse,
  • ein Pommes-Frites-Schneider und
  • ein Mini-Milchaufschäumer.

Dazu kommen unzählige mögliche Kleinigkeiten, die oft nicht einmal mehr so tun, als hätten sie eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Die kann man dafür richtig liebhaben – etwa das Gerät zum Herstellen von viereckigen gekochten Eiern oder den kleinen Plastik-Mafioso, der zusammen mit der Pasta ins Kochwasser gegeben wird und einen Ton von sich gibt, wenn die Nudeln seiner Meinung nach al dente sind.



Fazit: Wer nur kauft, was er wirklich braucht, spart Geld und verhält sich logisch. Aber so funktionieren Menschen eben nicht, und das ist auch am Inhalt ihrer Küchenschränke zu erkennen. Zum Glück können auch Geräte mit wenig praktischem oder alltäglichem Nutzwert ihren Besitzern viel Freude machen – und als Geschenke sind sie nach wie vor beliebt.

 

Oberstes Bild: Daniel Zuppinger / Shutterstock.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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