Scherenkunde für den Haushalt

05.09.2014 |  Von  |  Allgemein

Geschätzte Lesezeit: 6 minutes

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Eine Schere nehmen wir beinahe täglich in die Hand. Im Büro sind es grosse Papierscheren, im Hobbybereich benutzen wir die Bastelschere, in der Schönheitspflege gehören Nagel- und Hautschere zu unserem selbstverständlichen Werkzeug. Auch im Haushalt ist die Schere in ihren verschiedenen Formen schnell hervorgekramt. Wir machen uns keine Gedanken über dieses Utensil, weder über seine Herkunft noch seine Herstellung und die Qualitätsmerkmale. Sollten wir aber. Denn immer, wenn wir mit unserer stumpfsten Haushaltsschere in widerspenstigem Schnittgut arbeiten, sind schlechte oder falsch benutzte Scheren eine Quelle des Ärgernisses.

Sie kennen das von dem Messer, das Sie in der Küche benutzen: Nicht geschliffen oder zweckentfremdet angewandt, wird es zur Quelle einer Arbeitsverzögerung, ja zu einem Unfallrisiko. Die Preisspanne zwischen billigen und exklusiven Messern ist gigantisch. Bei den Scheren ist diese Differenz weniger gross. Da die Schere ein Werkzeug ist, das Sie im Haushalt täglich in die Hand nehmen, sollten Sie für ärgerfreies Arbeiten auf hohe Qualität achten. Dieser Artikel legt dar, was eine gute Schere ist und welche Produkte für die verschiedenen Einsatzbereiche im Haushalt infrage kommen.



Dunkle Herkunft eines Universalwerkzeugs

Niemand weiss, wer wann das Rad erfunden hat. Auch die Anfänge der Schere liegen im Dunkeln. So ist das nun mal mit Universalwerkzeugen. Eins ist sicher: Ohne die Schere würden wir unbeholfener (und unmanierlicher) durchs Leben gehen. Früher besassen Scheren als Griff einen durchgehenden Bügel. Auf einer Reise durch die japanische Provinz rund um die alte Kaiserstadt Nara habe ich diese Art von geschmiedeten Scheren zu sehen bekommen: Sie werden in Japan immer noch hergestellt. Bei uns in Europa herrscht seit der Renaissance die Gelenkschere vor – jene Form, an die wir denken, wenn der Begriff Schere fällt.

Herstellungswissenschaft

Eine gute Schere wird aus bestem Stahl hergestellt: rostbeständig, nickelfrei, hart. Seine Haltbarkeit ist durch Temperaturbehandlung garantiert: Zuerst erfolgt eine Erhitzung der Rohlinge auf über 1000 Grad Celsius; im Anschluss daran werden sie auf minus 100 Grad Celsius heruntergekühlt. Die ergonomischen Kunststoffgriffe werden für eine hohe Stabilität auf die Klingen spritzgegossen. Über 50 Arbeitsschritte sind bis zum Richten der Scherenhälften erforderlich – dann ist das Endprodukt perfekt.



Schleif- und Montagekunst



Qualitätsscheren werden handgeschliffen. Die Schliffe können sehr unterschiedlich sein, je nach Scherenart. Küchenscheren besitzen zum Beispiel oft eine Mikrozahnung, um das Schnittgut optimal in Position zu halten. Montage und Richten der Schere sind Manufakturarbeit und Handwerkskunst. Die Schere wird mit einer oberflächengehärteten Stahlschraube auf Spitze gesetzt. Zuletzt werden die Griffe entgratet, damit Ihr Schneidwerkzeug ergonomisch und sanft in der Hand liegt. Und fertig ist die Papierschere fürs Büro oder die Geflügelschere für Ihren Haushalt.

Universal Schere. (Bild: Coprid / Shutterstock.com)

Universal Schere. (Bild: Coprid / Shutterstock.com)

Die Universalschere

Eine Universalschere ist auch unter dem Namen Haushaltsschere bekannt. Sie ist sozusagen die Kombizange unter den Küchenscheren. Wenn ihre Schneiden eine Mikroverzahnung besitzen, können Sie viele verschiedene Werkstoffe besonders sicher greifen. In der Mitte der Griffe findet sich eine gezackte Aussparung, mit deren Hilfe hartnäckige Verschlüsse geöffnet und Nüsse geknackt werden können.

Die Geflügelschere

Ihr Ruf als Koch hängt nicht nur von der Zubereitung der Speisen, sondern auch von ihrer Präsentation ab. Mit dem fachgerechten Tranchieren von Geflügel am Tisch können Sie nachhaltigen Eindruck machen – das richtige Werkzeug vorausgesetzt.

Eine gute Geflügelschere zeichnet sich durch ihre Länge aus. Sie besitzt gezahnte Schneiden und eine Rückholfeder, die die Schneidbewegung unterstützt. Manche Scheren haben in der Schneide eine Nut, die zur Positionierung des Geflügelknochens dient. Hilfreich sind Griffe mit Oberflächenrelief, damit nasse bzw. fettige Hände beim Tranchieren nicht abrutschen. Es gibt Hersteller, die Rückholfedern als Ersatzteil liefern, wenn die alte Feder ihre Spannung verloren hat.

Die Fischschere

Der Umgang mit Fisch erfordert Sorgfalt, Sachkunde und gutes Werkzeug. Die Fischschere, auch Flossenschere genannt, unterstützt Sie professionell bei der küchenfertigen Vorbereitung des Fischs. Sie kann sowohl bei der Schuppenentfernung sowie beim Kupieren der Flossen und beim Ausnehmen und Zerlegen eingesetzt werden. Ihre verzahnte Schneide verhindert das Wegrutschen des Schnittguts.

Die Kräuterschere



Bei Kräutern kann man nicht viel falsch machen, denken viele Laienköche. Im Gegenteil. Durch stumpfes Werkzeug werden Kräuter beim Schneiden gequetscht und verlieren schon das Aroma, bevor sie im Essen landen. Eine gute Kräuterschere muss ein Kraftprotz mit Feingefühl sein. Sie muss die holzigen Stängel von Rosmarin und Thymian ebenso schneiden können wie die zarten Blättchen der glatten Petersilie. Hochwertige Kräuterscheren weisen eine justierbare Schraube auf, mit der die Schere auf das Schnittgut eingestellt werden kann. Gewellte Schneiden machen den Schnitt präzise, ohne zu quetschen.

Die Pizzaschere

Die Situation kennen Sie, denn Pizza isst jeder gern: Die Gäste sind im Esszimmer versammelt, und Sie tragen die Pizza auf dem Blech herein und „tranchieren“ am Tisch; und alle starren auf Ihre hilflos sich abmühenden Hände. Mit der Pizzaschere zerschneiden Sie grosse Pizzen wie Papier mit einer Büroschere. Diese Schere besitzt eine gebogene Klinge, die leicht unter den Teig greift, und eine flache Klingensohle, die kratzfrei über das Blech gleitet. So wird Pizzaschneiden zur Geschicklichkeitsschau. Nur werden Sie nach Ihrer Vorführung ziemlich viele Fragen beantworten müssen, wo es solche guten Scheren zu kaufen gibt.



 

Oberstes Bild: © Vojtech Beran – Shutterstock.com


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