Was Sägemaschinen leisten und welche Sägeverfahren wofür geeignet sind

13.05.2015 |  Von  |  Allgemein
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Was Sägemaschinen leisten und welche Sägeverfahren wofür geeignet sind
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Selbst bei professionellen Möbeltischlern und Schreinern wird noch viel von Hand gesägt. Bei der industriellen Fertigung von Formteilen, bei Massenproduktion oder zur exakten Bearbeitung grosser Werkstücke werden jedoch Sägemaschinen eingesetzt. 

Mit der klugen Auswahl des geeigneten Sägeverfahrens und planvollem Maschineneinsatz lassen sich sowohl die Produktion von Unikaten als auch die Massenfertigung erleichtern. Sicherheit und Ergonomie sind dabei ebenfalls wichtige Aspekte – denn Sägen ist und bleibt eine schwere Arbeit.

Über die unterschiedlichsten Sägen und Sägeverfahren

Sägen gibt es schon seit der Steinzeit. Die griechische Mythologie schreibt die Erfindung dieses Werkzeugs Perdix zu, einem Neffen von Daedalus, dem berühmten Baumeister. Die Legende besagt, dass Perdix als Teenager und Lehrling seines Onkels nicht nur die Säge, sondern auch die Töpferscheibe und den Zirkel erfand. Seine viel versprechende Karriere nahm deswegen allerdings schon früh ein jähes Ende: Daedalus war so neidisch auf das Talent und geschickte Händchen seines Neffen, dass er Perdix, statt ihn zu belohnen, von den Mauern einer Burg hinunterwarf.

Die Schnittbewegung beim Sägen kann entweder gerade oder kreisförmig sein. Klassische Verfahren mit einer geraden Schnittbewegung sind das Sägen mit einer Bügelsäge, Stichsäge, Bandsäge, Gattersäge oder Kettensäge. Bei Kreissägen führt das Werkzeug eine kreisförmige Sägebewegung aus, wobei die Vorschubbewegung des Kreissägeblatts senkrecht zu der Drehasche dieses Werkzeugs steht.

Bandsägen sind Werkzeuge bzw. Maschinen, deren vielzahniges Sägeblatt bandförmig, also sozusagen endlos ist. Die Bewegungsrichtung einer Bandsäge liegt senkrecht zur Säge- oder Schnittrichtung. Auch eine Kettensäge funktioniert nach diesem Endlosprinzip. Im Gegensatz dazu führen Stichsägen, Gattersägen oder Bügelsägen die Sägebewegung immer wieder aus – sie sägen also hin und her.

Ferner wird unterschieden zwischen Handsägen, bei denen die Sägebewegung mit Muskelkraft ausgeführt werden muss, und Sägemaschinen, deren Motor entweder elektrisch, mit Wasserkraft (Sägewerk, Sägmühle) oder mit Treibstoff (meist Benzin bzw. Zweitaktgemisch) betrieben wird. Sägemaschinen können sowohl Handmaschinen (Handkreissäge, Kettensäge) als auch Standmaschinen (Tischkreissäge, Bandsägetisch) sein. In holzverarbeitenden Betrieben wie Schreinereien kommen in der Regel viele verschiedene Hand- und Maschinensägen unterschiedlicher Ausführungen zum Einsatz.

Da die Säge ein so altes Werkzeug ist, tummeln sich auf dem Markt zahllose Modelle für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Vor allem die leichten und mobilen Handsägen wurden weltweit vielfach variiert, um zu allen denkbaren Materialien, Arbeitsumfeldern und Anwendern zu passen. Bekannte Klassiker sind unter anderem der Fuchsschwanz, die Laubsäge, die Lochsäge, die Baumsäge (eine grosse Bügelsäge mit breitem Schnitt) und die elastische Japansäge (auch „Japaner“ genannt), die nur auf Zug und darum besonders fein arbeitet.

Bei manchen Sägen muss das Sägeblatt zwischen zwei Befestigungspunkten (ein-)gespannt werden, bei anderen hat es nur einen Ansatzpunkt, an dem es entweder fest oder abnehmbar montiert ist. Zu den sogenannten gespannten Sägen gehören etwa die Laubsäge und die Handbügelsäge. Der Fuchsschwanz, die traditionelle Bauernsäge, die Japansäge und auch die Stichsäge sind ungespannte Sägen.

Richtige Organisation des Arbeitsplatzes beim Sägen

In den riesigen Sägegruben des Mittelalters und der frühen Industrialisierung in Europa war der Platz in der Grube, also am unteren Ende der Säge, meist dem jüngsten bzw. rangniedrigsten Arbeiter vorbehalten. Dieser verbrachte dann seinen Arbeitstag nahezu im Dunkeln und verrichtete Schwerstarbeit in Zwangshaltung, während von oben ständig das Sägemehl auf ihn herabrieselte. Schaffte er es nicht, in der Hierarchie beizeiten aufzusteigen, trug er wahrscheinlich bleibende Schäden davon.

Zeitgemässer Arbeitsschutz sieht beim Sägen Schutzkleidung, eine ergonomische Arbeitshaltung und ausreichende Belüftung bzw. Absaugung vor. Je nach Einsatz und Werkzeug muss der Arbeiter mit


Prinzipiell lässt sich jedes Material sägen, wenn Sägeblatt und Sägetechnik stimmen. (Bild: © Les Cunliffe - fotolia.com)

Prinzipiell lässt sich jedes Material sägen, wenn Sägeblatt und Sägetechnik stimmen. (Bild: © Les Cunliffe – fotolia.com)


Handschuhen, Atemschutz, Gehörschutz, Schutzbrille, Sicherheitsschuhen oder komplett schnittfester Kleidung (z. B. bei Waldarbeiten mit der Kettensäge) ausgerüstet sein.

Grosse Standgeräte wie Sägemaschinen und Sägetische sollten eine verstellbare Arbeitshöhe haben, damit sie in aufrechter bzw. körperschonender Haltung bedient werden können. Das gilt auch für Werkbänke, an denen mit Handgeräten gearbeitet wird. Beim Sägen grosser Teile muss genug Platz für raumgreifende Bewegungen bleiben – auch das Auflegen und Abstellen der Werkstücke darf nicht zu wiederholten Zwangshaltungen oder Fehlbelastungen führen. Fahrbare Transporthilfen wie Plattenwagen, Fahrtische oder spezielle Sackkarren erleichtern das Heben, Bewegen und Platzieren von schweren, langen oder sperrigen Teilen.

Auswahl der Werkzeuge, Sägetechniken und Unfallvorbeugung

Prinzipiell lässt sich jedes Material sägen, wenn Sägeblatt und Sägetechnik stimmen. Umgekehrt kann das Sägen mit falscher Technik oder ungeeignetem Sägeblatt sowohl die Arbeit als auch das Werkzeug ruinieren – und den Arbeiter an die Grenzen seiner Kraft und Geduld bringen. Das weiss jeder, der schon einmal versucht hat, Holz mit einer Metallsäge durchzusägen oder umgekehrt.

Sogenannte Alleskönner- oder Multisägen, üblicherweise kleine Handbügelsägen, sind ausreichend für den gelegentlichen Hausgebrauch am Basteltisch. Doch selbst in einem Betrieb, in dem nur hin und wieder etwas gesägt werden muss, sollten sich zumindest eine gute Holzsäge, eine gute Metallsäge und eine passable Pendelhub-Stichsäge mit verschiedenen Ersatzsägeblättern befinden.

Beim Sägen von Hand sind kontrollierter Schwung, Geschwindigkeit und eine gleichförmige Bewegung entscheidend – ganz ähnlich wie beim Führen eines Geigenbogens. Zuviel Druck auf das Werkstück, zu zaghafte oder unstete Bewegungen sowie Schräglagen und Seitschwankungen des Sägeblatts bewirken, dass die Arbeit unsauber wird immer wieder ins Stocken gerät. Abrupte Stopps oder Rückschläge, wenn die Säge hängenbleibt oder sich verkantet, sind eine erhebliche Belastung für die Gelenke und können auf Dauer zu chronischen Beschwerden führen.

Besonders gefährlich ist das Verhaken und Verkanten bei Sägemaschinen. Viele haben keinen Schutzmechanismus, der in solchen Situationen automatisch den Motor stoppt oder zumindest das Sägeblatt entkoppelt, so dass es stehenbleibt. Eine alte, im Ast verkantete oder eingeklemmte Kettensäge mag mit der Bewegung aufhören, wenn die Motorkraft nicht mehr ausreicht – doch sobald die Sägekette freikommt, läuft sie wieder los. Immer wieder geschehen Unfälle, weil Arbeiter fahrlässig eine eingeschaltete, verklemmte Säge loslassen, um mit beiden Händen die Sägestelle auseinanderzudrücken, um das Werkzeug zu befreien.

Ist der Sägeschnitt breiter als das Sägeblatt, kann sich die Säge bei korrekter Bewegung und korrekt aufgelegtem bzw. fixiertem Werkstück nicht festklemmen. Darum sitzen die Sägezähne in der Regel nicht in exakten Reihen, sondern beschreiben leichte Kurven (gewelltes Sägeblatt), haben nach aussen gebogene Spitzen (geschränktes Sägeblatt) oder sind an der Spitze breiter als am Ansatz (gestauchtes Sägeblatt). Manche Sägen erfordern das regelmässige Nachfeilen abgenutzter Sägezähne. Für diese Arbeit sind viel Geschick, Geduld und auch Übung erforderlich – ergänzt durch spezielle Feilen, die man entweder über den Hersteller beziehen oder im Fachhandel kaufen kann.



Fazit: Die Säge ist ein steinzeitliches Werkzeug – und gleichzeitig hochmodern. An den grundsätzlichen Sägeverfahren hat sich wenig geändert, denn hier gibt es wenig zu verbessern. Optimierungsbedarf besteht hingegen häufig bei der Ausrüstung, der persönlichen Sägetechnik und der sicheren Organisation des Arbeitsumfelds.

 

Oberstes Bild: © Photographee.eu – fotolia.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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