Waschnüsse – indisches Allroundtalent

16.06.2015 |  Von  |  Reinigung
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Mittlerweile gibt es Waschnüsse nicht nur in Bioläden, sondern auch in klassischen Drogeriemärkten. Doch wird die Wäsche nach einem Waschgang mit den Nüssen wirklich sauber, und wie wirken die die Waschnüsse eigentlich?

Wir haben Wissenswertes und Hintergründe rund um die indische Waschnuss zusammengetragen und geben Anwendungstipps.

Die Waschnüsse stammen vom Soapnut-Baum und werden in Nepal und Indien schon seit Jahrhunderten zum Reinigen und Waschen verwendet. In Indien kultivierte man den Baum schon in der Antike. Die lateinische Bezeichnung des Gewächses lautet Sapindus saponaria, die Pflanze gehört zur Ordnung der Seifenbaumartigen. Insgesamt gibt es rund 1900 verschiedene Arten, die vor allem in den Tropen und Subtropen vorkommen. Sehr gern wächst der Soapnut-Baum auf lehmigen Böden. Er kann bis zu 25 Meter hoch werden und erreicht ein Alter von rund 90 Jahren, es gibt auch ältere Exemplare.

Ist der Waschnussbaum zehn Jahre alt, trägt er zum ersten Mal Früchte. Die etwa haselnussgrossen Nüsse sind orangerot und fühlen sich klebrig an. Nach dem Trocknen sehen die Waschnüsse braun aus und kleben nicht mehr. Geerntet werden sie im September. Die Gewächse produzieren Saponine, um sich vor Schädlingen zu schützen. Durch den Wirkstoff lassen sich auf der Pflanze Bakterien und Pilze effektiv abtöten. Das Saponin, das die Reinigungswirkung ausmacht, befindet sich in den Schalen der Nüsse.


Ist der Waschnussbaum zehn Jahre alt, trägt er zum ersten Mal Früchte. (Bild: © David Eickhoff - CC BY-SA 2.0)

Ist der Waschnussbaum zehn Jahre alt, trägt er zum ersten Mal Früchte. (Bild: © David Eickhoff – CC BY-SA 2.0)


Die Wirkungsweise der Waschnuss

Waschen wir unsere Wäsche mit den Waschnüssen, tritt während des Waschvorgangs Saponin aus den Schalen aus. Der Stoff kann Fette lösen und beseitigt Schmutz aus den gewaschenen Textilien. Auch wenn die Nüsse während des Waschens kaum schäumen, können sich die Inhaltsstoffe besonders bei höheren Temperaturen sehr gut entfalten.

Tipp:

Wenn Sie die Waschnüsse bei niedrigen Temperaturen verwenden, können Sie sie durchaus für zwei Waschgänge verwenden.

Was sind eigentlich Saponine?

Im Zusammenhang mit Waschnüssen ist stets von Saponinen die Rede, daher geben wir einen kurzen Überblick über diesen Inhaltsstoff. Saponine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die im Zusammenspiel mit Wasser einen Schaum bilden. Besonders wenn die Saponine geschüttelt werden, bildet sich ein leichter Schaum. Das liegt daran, dass ein Teil der Moleküle wasserlöslich ist, ein anderer Teil wirkt fettlösend – für die Verwendung als Waschmittel also ideale Voraussetzungen.

Die Saponine kommen nicht nur in den Früchten des Seifenbaums vor; auch Hülsenfrüchte, Spargel oder Kartoffeln und Knoblauch enthalten Saponine. Studien haben ergeben, dass die Saponine Pflanzen vor Schädlingsbefall schützen können. In unserem Körper wirken sie reinigend, denn sie haben eine entschlackende Wirkung. Werden Saponine und Cholesterin mit der Nahrung aufgenommen, binden die Saponine das Cholesterin und sorgen dafür, dass die Darmschleimhaut den Stoff nicht aufnehmen kann. Das Cholesterin wird ausgeschieden, ohne dass es sich im Körper ablagern kann.

Die Waschnüsse in der Waschmaschine

Kommen wir nun zum ersten Waschgang mit den Waschnüssen. In der Regel kommen zwischen vier und sechs Waschnüsse in einen kleinen Baumwollbeutel, der einfach während des Waschgangs mit in die Maschine gelegt wird. Wer keinen Dosierbeutel hat, kann einfach eine Socke benutzen.

Erfahrungen zeigen, dass die Nüsse bei normal verschmutzter Buntwäsche, aber auch bei Wolle und Seide besonders gute Ergebnisse erzielen. Weisse Wäsche wird nach mehrmaligem Waschen mit den Nüssen oftmals grau, darum sollte hier zusätzlich Natriumpercarbonat als Bleichmittel zugesetzt werden. In verschiedenen Foren im Internet berichten Verbraucher von einer wunderbar weichen Wäsche nach der Verwendung der Waschnüsse. Ist das Wasser besonders hart, empfiehlt sich die Verwendung eines Wasserenthärters.


Die Waschnüsse werden in einen kleinen Beute während des Waschgangs mit in die Maschine gelegt. (Bild: © TwilightArtPictures - fotolia.com)

Die Waschnüsse werden in einen kleinen Beute während des Waschgangs mit in die Maschine gelegt. (Bild: © TwilightArtPictures – fotolia.com)


Nach dem Waschen können sich die Nüsse leicht klebrig anfühlen. Das liegt daran, dass sie besonders viel Wasser aufnehmen. Daher sollten die Waschnüsse, wenn sie ein zweites Mal verwendet werden sollen, einfach vor dem nächsten Waschgang getrocknet werden. Wenn Sie sie nicht benötigen, bewahren Sie sie einfach luftdicht verschlossen auf. Dazu reicht auch eine Plastiktüte. Übrigens: Auch wenn die Waschnüsse sich manchmal klebrig anfühlen, können Sie sie bedenkenlos verwenden, denn der Wirkung tut das keinen Abbruch.

Waschnüsse im Haushalt

Doch nicht nur in der Waschmaschine machen sich die Früchte des Soapnut-Baumes gut. Beim Auskochen der Waschnüsse entsteht ein Sud, der für vielfältige Anwendungen geeignet ist. Er kann hervorragend zum Putzen und Reinigen verwendet werden. Da die Saponine in der Waschnuss sowohl antibakteriell als auch festlösend wirken, eignen sich die Waschnüsse hervorragend zum Saubermachen. Insbesondere zum Reinigen glatter Flächen sind sie gut geeignet. Einige Anwender verwenden sie, um das Auto zu waschen. So soll der Sud perfekt zum Reinigen von Ledersitzen geeignet sein.

Indische Frauen verwenden Waschnüsse zum Haarewaschen. Dabei wird zunächst ein Sud aus den Nüssen hergestellt, der dann besonders am Haaransatz sorgfältig in die Kopfhaut einmassiert wird. Am besten füllen Sie den Sud in eine alte Shampooflasche ab. Im Unterschied zum Shampoo schäumen die Waschnüsse kaum, das macht eine Verteilung in den Haaren schwierig. Nach dem Einmassieren sollte der Sud zunächst einige Zeit einwirken, bevor er ausgewaschen wird. Viele Anwender berichten nach dem Waschen von wunderbar weichen und glänzenden Haaren. Zudem soll der Sud sehr gut gegen Schuppen wirken und eine gereizte Kopfhaut beruhigen.


Indische Frauen verwenden Waschnüsse zum Haarewaschen. (Bild: © Intellistudies - fotolia.com)

Indische Frauen verwenden Waschnüsse zum Haarewaschen. (Bild: © Intellistudies – fotolia.com)


Sie können den Sud der Waschnuss auch in einen Seifenspender füllen und zum Händewaschen nutzen. Besonders Menschen, die unter Neurodermitis leiden, haben damit gute Erfahrungen gemacht, denn der Waschnusssud ist vollkommen frei von weiteren Inhaltsstoffen. Auch für Allergiker ist diese Variante gut geeignet. Wem der Sud zum Waschen zu flüssig ist, der kann zum Andicken etwas Guarkernmehl zugeben.

Wie bereits berichtet, wirken die Saponine beim Waschnussbaum effektiv gegen Schädlinge. Das können Sie sich natürlich auch daheim zunutze machen und Ihre Pflanzen mit dem Sud der Waschnüsse besprühen. Da hier keine chemischen Zusätze verwendet werden, um die Pflanzenschädlinge zu bekämpfen, ist diese natürliche Methode besonders umweltschonend.

War der Hund zu lange draussen im Matsch unterwegs, ist ein Bad angesagt. Setzen Sie dem Badewasser ein Waschnuss-Sud zu, greift das die Haut des Vierbeiners nicht an, macht sein Fell aber wieder schön sauber und glänzend.

Es ist überdies möglich, statt herkömmlicher Reinigungstabs im Geschirrspüler Waschnüsse zu verwenden. Da das Geschirr teilweise recht stark verschmutzt ist, ist die Anwendung hier jedoch nicht besonders effektiv – probieren Sie es einfach selbst einmal aus. Analog der Verwendung in der Waschmaschine legen Sie die Waschnüsse dazu in einem kleinen Baumwollsäckchen in die Maschine, am besten in den Besteckkorb.

Waschnüsse – so stellen Sie den Sud her

Den Sud herzustellen ist ganz einfach. Verwenden Sie etwa zehn bis zwölf Waschnüsse pro Liter. Wenn Sie einen Sud zum Haarewaschen kochen wollen, reicht auch die Hälfte der Waschnüsse aus. Nun kochen Sie das Ganze etwa zehn Minuten lang. Danach giessen Sie die Flüssigkeit durch einen Filter und füllen Ihre fertige Lösung ab.

Für einen besonders frischen Geruch können Sie einen Tropfen Duftöl hinzugeben. Das richtet sich ganz nach dem persönlichen Geschmack; zum Putzen ist sicher Zitrone oder Orange gut geeignet. Wenn Sie den Sud zu kosmetischen Zwecken herstellen, ist auch Lavendel eine gute Wahl. Experten empfehlen für die längere Haltbarkeit etwas Teebaumöl zuzugeben, das die enthaltenen Keime abtöten soll. Auch Zitronensäure ist für die Konservierung bestens geeignet. Die ausgekochten Waschnüsse geben Sie einfach auf den Kompost.

Waschnüsse oder Waschpulver? Ein Vergleich

Im Jahr 2009 hat die Stiftung Warentest Waschnüsse unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war wenig befriedigend, denn weisse Wäsche ergraute sehr schnell und Flecken wurden nicht effektiv entfernt. In puncto Umwelt konnten die Nüsse die Warentester ebenfalls nicht überzeugen, denn auch die in den Waschnüssen enthaltenen Saponine müssen abgebaut werden, im Vergleich zum klassischen Waschmittel sahen die Warentester daher keinen Vorteil. Die Zeitschrift „Ökotest“ kam sogar zu dem vernichtenden Urteil „mangelhaft“.



Dennoch bestätigen viele Anwender der Waschnuss eine hervorragende Wirkung. In Internetforen beschreiben sie, dass die Waschmaschine bei der Verwendung der Waschnüsse deutlich sauberer und der Schmierfilm, der sich bei Waschmitteln mit der Zeit bilde, vollständig verschwunden sei. Kritiker bemängeln, dass die Wäsche nach dem Waschen nicht frisch rieche. Hier kann der Zusatz eines ätherischen Öls Abhilfe schaffen.

Die Meinungen zum Thema Waschnüsse sind durchaus unterschiedlich und auch die Erfolge unterscheiden sich bei den meisten Anwendern offenbar. Wer beim Waschen auf chemische Zusätze verzichten will, liegt mit den Waschnüssen sicher richtig. Auch für Allergiker oder empfindliche Personen sind sie sehr gut geeignet. Um ihre Qualität zu testen, sollten Sie die Anwendung am besten einmal selber probieren.

Vor- und Nachteile der Waschnüsse

Die Vorteile der Waschnüsse liegen mit den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten und der guten Verträglichkeit für Allergiker klar auf der Hand. Im Vergleich zum Waschmittel kommen Waschnüsse bei niedrigen Temperaturen mehr als einmal zum Einsatz, das macht die Verwendung günstiger und umweltverträglicher. Je härter das Wasser ist, desto schlechter ist die Reinigungswirkung der Waschnüsse. Wenn also neben Bleiche noch Wasserenthärter zugesetzt werden muss, gibt es gegenüber dem klassischen Waschpulver keinen deutlichen Preisvorteil mehr.

Beim Waschen können die Waschnüsse nicht jeden Anwender überzeugen; für normal verschmutzte Wäsche, die nur einmal getragen wurde, sind sie meiner Erfahrung nach jedoch vollkommen ausreichend.

Befürworter der Waschnüsse führen immer wieder an, dass diese aus ökologischer Sicht sinnvoller seien als Waschmittel. Zu bedenken ist jedoch der lange Transportweg von Indien nach Europa – ob das aus ökologischer Sicht wirklich sinnvoll ist, ist zweifelhaft.

Der Boom in den westlichen Ländern hat dazu beigetragen, dass Waschnüsse in ihrem Heimatland Indien deutlich teurer geworden sind. Auf der einen Seite sichern die Waschnüsse einigen Familien also ein gutes Einkommen, auf der anderen Seite können viele sich das traditionelle Waschmittel selbst nicht mehr leisten. Zwischen 2003 und 2008 haben sich die Kosten für die Waschnüsse aufgrund der stark ansteigenden Nachfrage verfünffacht. Dazu muss man allerdings wissen, dass die meisten Inder ohnehin nicht mit Waschnüssen waschen, sondern chemische Waschmittel verwenden.

Fazit

Waschnüsse – das klingt zunächst einmal sehr interessant und ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Die Nüsse kommen nach der Verwendung auf den Kompost und es gibt keinen schädlichen Abfall, im Vergleich zu einem herkömmlichen Waschmittel in einer Plastikverpackung können die Waschnüsse also durchaus punkten. Auch wenn viele Befürworter auf die Waschnüsse schwören, lässt die Wasch- und Reinigungsleistung zu wünschen übrig. So lässt sich am Ende eigentlich nur ein Fazit zum Thema Waschnüsse ziehen: Einfach einmal ausprobieren!

 

Oberstes Bild: © Monika Wisniewska – shutterstock.com

Über Andrea Hauser

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.

Mit meiner Familie erkunde ich in den Ferien fremde Metropolen oder lasse bei einem Badeurlaub einfach die Seele baumeln. Seit ich klein bin, sind Bücher meine grosse Leidenschaft, wenn es meine Zeit erlaubt, bin ich immer mit einem guten Buch anzutreffen. Mich fasziniert alles, was mit Kreativität zu tun hat: Von Acrylbildern, über Glasmalerei bis hin zu Loombands habe ich schon vieles ausprobiert.


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