Weichspüler: Sinn und Unsinn

08.10.2014 |  Von  |  Reinigung

Geschätzte Lesezeit: 7 minutes

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Natürlich war früher mal wieder alles besser. So eine richtige Hausfrau hatte noch Muskeln: Sie hat die Wäsche mit Wasser und Kernseife gewaschen und anschliessend so hartnäckig gebügelt, bis sie wieder weich war. Heute gilt das Bügelbrett als ein Ort des Grauens.

Wie viel nützlichere Zeit kann man verbringen ohne das lästige Eisen in der Hand! Also gibt der moderne Mensch einen ordentlichen Schuss Weichspüler in die Waschmaschine und schlüpft nach dem Trocknen in flauschig weiche Wäsche. Immerhin tut er es mit einem schlechten Gewissen.

Weichspüler sind wie Zigaretten. Früher haben wir sie in unzähliger Menge geraucht, und zwar überall, wo wir gingen und standen. Heute wissen wir, dass sie uns krank machen – also reduzieren wir ihren Konsum oder stellen ihn ganz ein. Auch Weichspüler ist über viele Jahrzehnte in riesigen Dosen und in umweltunverträglichen Zusammensetzungen eingesetzt worden. Heute versuchen wir seinen Gebrauch einzuschränken. Ist er überhaupt nötig? Und gibt es Alternativen?

Wirkungsweise

Der Effekt ist bekannt. Sie geben keinen Weichspüler in die Maschine, waschen Ihre Wäsche mit herkömmlichem Waschmittel durch. Dann hängen Sie sie zum Trocknen auf die Leine – auf dem Dachboden oder im Freien. Das Ergebnis: Trockenstarre. Brettharte Handtücher und Hemden, die Ihre ganze Bügelkunst benötigen, um wieder in Form zu kommen. Warum das so ist? – Nun, zwischen den Cellulosefasern bilden sich Wasserstoffbrücken. Diese Brückenbildung wird vom Weichspüler gehemmt. Aber Chemie beiseite. Fakt ist: Wenn Sie ein geschmeidiges Hemd von der Leine nehmen wollen, brauchen Sie Weichspüler.

Und die Handtücher?

Kommen wir zum ersten nicht-ökologischen Argument gegen den Weichspüler: die Handtücher. Oder der Frotteebademantel. Die Unterwäsche. Die Funktionskleidung. Weichspüler zerstören typische Eigenschaften von Stoffen. Mag sein, dass manche Menschen es mögen, wenn ein Handtuch sich ihnen weich wie ein Gänseflaum anschmiegt. Nur trocknen wird es sie nicht mehr. Es verliert durch den Weichspüler seine Saugfähigkeit. Unterwäsche, die keinen Schweiss mehr aufnimmt, wird Ihnen keinen Spass machen. Funktionskleidung, deren Poren durch Weichspüler verschlossen ist, ebenfalls nicht. Die beliebte Formel „Weichspüler passt immer“ geht fehl.

Und die Umwelt?

Es stimmt, dass Weichspüler heute besser abbaubar sind. Dennoch besteht laut Umweltbehörden weiterhin Gefahr für Wasserorganismen, wenn Weichspülerrückstände in Gewässer eindringen. Und niemand wird Ihnen garantieren, dass sie das nicht tun. Wenn Sie auf weichgespülte Wäsche nicht verzichten können, weil Sie beispielsweise unter Neurodermitis leiden, sollten Sie Alternativen ausprobieren. Auf einer Trekking-Reise durch die Kaschmir-Region Indiens habe ich ein biologisches Waschmittel uralter Tradition kennengelernt: die Waschnuss. Sie reinigt und macht das Wasser weicher. Den Wasserenthärtungs-Effekt erzielen Sie auch mit Essig. Geben Sie einen kleinen Schuss 5%igen Essig zum Waschmittel, und Sie ziehen Ihr weiches Hemd mit einem besseren Gewissen an.

 

Oberstes Bild: © Ralf Maassen (DTEurope) – Shutterstock.com


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