Bilderhängung – eine Kunst für sich

13.02.2015 |  Von  |  Allgemein, Wohnart

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In einem seiner berühmten Sketche betritt der deutsche Komiker Loriot ein Wohnzimmer. Während seiner Wartezeit dort sieht er sich um. Sein Blick fällt auf ein Gemälde: Es hängt schief.

Zwar nicht viel, aber es hängt schief. Loriot hängt es gerade. Nun hinkt es auf der anderen Seite. Er rückt es erneut gerade. Es hängt wieder schief. Loriot gerät in Rage. Solch ein Öl-Gemälde muss doch zu nivellieren sein! In seinem Eifer stösst er eine Stehlampe um. Als er versucht, sie aufzustellen, gerät ein Dekorationsgegenstand ins Trudeln. Das Bild an der Wand feixt, die Einrichtungsgegenstände stürzen. Als der verspätete Gastgeber eintrifft, findet er Saubermann Loriot in völligem Chaos vor.



Eine Wasserwage hilft nicht allein

Diese tragikomische Szene hätte sich genauso auch in der Schweiz ereignen können. Genügend Eidgenossen besitzen eine ererbte Wasserwaage im Blick: Damit werden Abweichungen von der Horizontalen nicht hingenommen. Wen es nur darum ginge, Gemälde und Fotos gerade an die Wand zu hängen, müsste keine Gestaltungsanleitung für die Privatgalerie geschrieben werden. Aber das ABC für die kunstvolle Hängung ist ein wenig umfangreicher.

Der Solist

Was Loriot geraderücken wollte, ist ein Solist. Wie sprechen von einem Solisten, wenn der Druck, das Foto, das Gemälde allein die Wand beherrscht. Im Orchester sind Solisten die besten Musiker – und auch an der Wand dürfen den Alleingang nur perfekt arrangierte Bilder wagen Bildqualität, Rahmen und Umfeld müssen stimmen. Hängen Sie den Solisten gerade auf!





In dem Moment, in dem Sie beginnen, Ihre eigenen vier Wände mit Fotos oder Bilden zu dekorieren, sind Sie der Künstler. (Bild: altafulla / Shuttertock.com)

In dem Moment, in dem Sie beginnen, Ihre eigenen vier Wände mit Fotos oder Bilden zu dekorieren, sind Sie der Künstler. (Bild: altafulla / Shuttertock.com)

Die Reihenordnung

Bei einer Reihenhängung hätte Ordnungsfanatiker Loriot vermutlich den Verstand verloren. Dort werden Bilder wie die berühmten Perlen an der Schnur präsentiert – oder wie Tafelschokolade in einem Riegel. Wenn Sie in eine Reihe unterschiedliche grosse Werke hängen wollen, gibt es drei Möglichkeiten: 1. Wähen Sie die Oberkante als Bezugspunkt. 2. Wählen Sie die Unterkante. 3. Legen Sie eine gedachte Mittellinie fest. Bevor Sie mit einer Bohrmaschine die Wand perforieren, probieren Sie die Wirkungsmöglichkeiten am Boden aus.

Die Rasterhängung

Die Steigerung der Reihenhängung ist die Rasterhängung. Sowohl senkrecht als auch horizontal hängen die Bilder im gleichen Abstand zueinander: eine Aufgabe für Wasserwaagen- und Bohrprofis. Bei der Rasterhängung sollten Sie möglichst gleiche Rahmen verwenden. Das perfekt installierte Ensemble belohnt sie mit Harmonie und Gleichmass. Wenn Sie mutig sind, können Sie mit der Bilderzusammenstellung Kontraste setzen.

Das Triptychon



Ein Triptychon ist das Produkt von Malern und Fotografen, nicht von Raumdekorateuren. Bereits zur Zeit der frühen religiösen Malerei wurden dargestellte Bibelszenen oft auf ein Hauptbild und auf zwei Seitenflügel verteile. Eines der berühmtesten Beispiele der Klassischen Moderne sind die die Triptychen des deutschen Malers Max Beckmann. Ein Triptychon sollten Sie so hängen, dass ein geschlossenes Gesamtbild an der Wand entsteht. Triptychen eignen sich für Bildgeschichten und zur Panoramadarstellung.

Die symmetrische Hängung

Mit dem Hang des Menschen zum Gleichmass wird bei der symmetrischen Hängung gespielt. Mindestens drei Rahmen werden dabei benötigt, von denen zwei das gleiche Format haben sollten. Nun wird die Spiegelachse festgelegt: Jene gedachte Linie, welche die Werke in zwei kongruente Hälften teilt. Dies hört sich nicht nur nach angewandter Mathematik an, sondern ist es auch. Sorgfältige Bohrungen und Messungen sind Voraussetzungen für den Erfolg. Eine symmetrische Hängung schenkt Ihren Augen einen wunderbar ausgeglichenen Ruhepunkt. Übrigens empfiehlt es sich auch bei einer symmetrischen Hängung, zuerst „Bodenübungen“ durchzuführen, um die gewünschte Symmetrie zu finden, in der die Bilder an der Wand hängen sollen.

Die Petersburger Hängung

Nun kommen auch Tipps für diejenigen, die ein Problem mit ordentlichen Vertikalen und Horizontalen haben. Söhne und Töchter des Chaos: Die Petersburger Hängung wird euch gefallen. Man hatte in der Eremitage jener Stadt Bilder en masse und Lust, diese auch zu zeigen. Deshalb gilt: Ran an die Wand, was in den Depots schlummert, in wilder Rahmenvielfalt, bunt, und gerne auch schief. Loriot hätte dies kaum ertragen.

Collage und Inside-the-Lines

Inside-the-Lines ist kein Song von Frank Sinatra sondern die domestizierte Form der Petersburger Hängung Formen, Farbe, Motive, Stile und Rahmen werden bunt gemischt, bilden als Gesamtbild aber eine festgelegte Form: ein Oval, einen Kreis, ein Rechteck. Nicht zu verwechseln mit einer Collage, bei der eng ineinander- und nebeneinandergeschachtelte Einzelbilder (evtl. auf einer Trägerplatte) ein Gesamtkunstwerk ergeben.

Die Bilderleisten



Bilderleisten sind eine Erfindung, die Loriot wohl selbst hätte machen können. Die Bilderleiste könnte man auch als Regal zum Abstellen von Kunst bezeichnen. Fotos, Gemälde, Drucke und kleine Objekte können darauf nagellose beliebig dekoriert und ausgetauscht werden. Vorausgesetzt, die Leiste wurde wasserwaagengerade angebracht: Jedes Bild steht perfekt horizontal. Loriot wäre begeistert gewesen!

Die Grundsätze

Ob es um eigene Werke geht oder um fremde: Spätestens in dem Moment, in dem Sie beginnen, Ihre eigenen vier Wände mit Fotos, Bilden und Drucken zu dekorieren, sind Sie der Künstler. Mit diesem Kompendium haben wir Ihnen einen Überblick über das Waffenarsenal verschafft – nutzen Sie es! Behalten Sie die Gesamtwirkung im Blick, denken Sie quer und vertrauen Sie auf Ihre Intuition. Bilder arrangieren ist ein wenig wie Malen – und kann jede Menge Spass machen. Ihnen und Ihren künftigen Besuchern.



 

Oberstes Bild: Bilderhängung ist eine Kunst für sich. (© Iakov Filimonov / Shutterstock.com)

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