Über 100 Firmen umgehen Recyclingbeitrag für Elektrogeräte in der Schweiz
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag Behörden Business business24.ch businessaktuell.ch Distribution Elektronik Finanzen Handel haushaltsapparate.net Magazine Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch Organisationen Produkte Regionen Schweiz Schweiz Technik Technologie Themen Unternehmen Wirtschaft Ⳇ Verbreitung
Die Schweiz verfügt international über eines der erfolgreichsten Systeme zur Rücknahme und zum Recycling von Elektrogeräten. Mehr als 100 Unternehmen aus dem In- und Ausland entziehen sich jedoch bewusst dem System, indem sie auf die Erhebung des vorgezogenen Recyclingbeitrags (vRB) auf die von ihnen verkauften Geräte verzichten, um Kostenvorteile zu erzielen. Dadurch gerät das System finanziell immer mehr unter Druck. SENS eRecycling fordert nun klare und faire Rahmenbedingungen für alle.
Der Grossteil der Schweizer Hersteller und Importeure von Elektrogeräten nimmt seine Verantwortung wahr und finanziert das Recycling der in der Schweiz in Verkehr gebrachten Geräte mit. Das Modell funktioniert jedoch nur, wenn sich alle Marktteilnehmer beteiligen.
Über 100 Unternehmen unterlaufen als Trittbrettfahrer bewusst das System
Seit einigen Jahren gerät das Erfolgsmodell zunehmend unter Druck: Onlineplattformen sowie über 100 stationäre Anbieter in der Schweiz weigern sich, den vorgezogenen Recyclingbeitrag auf ihre verkauften Geräte zu erheben. Damit erzielen sie gegenüber ihren Mitbewerbern Kostenvorteile und verzerren den Markt.
Ihr Argument, dass sie die gesetzliche Pflicht erfüllen, indem sie Elektroaltgeräte in ihren Verkaufsgeschäften kostenlos zurücknehmen, greift laut SENS eRecycling zu kurz. Der weitaus grössere Anteil der elektrischen und elektronischen Altgeräte – schätzungsweise bis zu 90 Prozent – wird über SENS-Sammelstellen entsorgt. Darunter befinden sich zahlreiche Geräte, auf die beim Kauf kein vRB erhoben wurde.
Mit ihrem Verhalten reissen die Trittbrettfahrer jährlich ein Loch von mehreren Millionen Franken in die Kasse von SENS eRecycling. Zugleich untergraben sie die Solidarität unter den langjährigen Vertragspartnern, die das System aufgebaut haben. SENS fordert deshalb klare und faire Rahmenbedingungen, damit künftig alle Unternehmen, die Elektrogeräte in der Schweiz in Verkehr bringen, sich gleichermassen an der Finanzierung von Sammlung, Transport und Recycling beteiligen.
Revision des Umweltschutzgesetzes greift zu kurz
Mit der Revision des Umweltschutzgesetzes will der Bund Trittbrettfahrer stärker in die Pflicht nehmen. Dieses Ziel begrüsst SENS eRecycling grundsätzlich. Gleichzeitig warnt die Organisation davor, bewährte privatwirtschaftliche Mechanismen durch zu starke regulatorische Eingriffe zu schwächen. Bestehende Gesetzeslücken müssten gezielt geschlossen werden, ohne funktionierende Strukturen zu gefährden.
Quelle: Stiftung SENS
Bildquelle: Stiftung SENS