Mikrowellen: Gefährliche Geräte oder harmlose Helfer?

08.11.2014 |  Von  |  Küchengeräte

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Mikrowellen erwärmen das Mittag- und Abendessen, ein Glas Milch oder auch ein Kirschkernkissen mit hochfrequenter Strahlung. Schnell, unkompliziert und energieeffizient leisten sie seit Jahren in vielen Küchen treue Dienste. Auch Teeküchen und kleinere Pausenräume in vielen Firmen sind mit ihnen ausgestattet. Doch Mikrowellenöfen sind nicht unumstritten und werden mitunter mit Skepsis betrachtet. Für manche Menschen scheint ein solches Gerät so viele Gefahren in sich zu bergen wie ein kleines Kernkraftwerk, obwohl sich kaum sachliche Belege finden lassen, die eine solche Furcht begründen würden. Aber sind diese praktischen Küchengeräte tatsächlich harmlos oder ist im Umgang mit ihnen doch eine gewisse Vorsicht geboten?

Am Mikrowellengerät scheiden sich die Geister. Sehen die einen in erster Linie die vielen Vorteile und die überaus praktische Nutzbarkeit, halten andere sie für kreuzgefährlich. Und oft entbrennt ein regelrechter Schlagabtausch der Befürworter und Gegner. Höchste Zeit also für eine Aufklärung über den aktuellen Stand der Dinge.



„Veränderungen im menschlichen Blut“

Der Schweizer Ernährungswissenschaftler Dr. Hans-Ulrich Hertel soll schon vor 25 Jahren beunruhigende Entdeckungen über Mikrowellengeräte gemacht haben. Die Veröffentlichung seiner Studien war zunächst vom Berner Kantonalgericht verboten worden, erst nach Intervention des Europäischen Gerichtshofs wurde dieses Urteil aufgehoben. Dr. Hertel hatte als Ergebnis seiner Untersuchungen festgestellt, dass in Mikrowellen erhitzte Nahrung geeignet sei, Veränderungen im menschlichen Blut hervorzurufen. So wäre durch den Einsatz derartiger Geräte neben dem Absinken der Hämoglobinwerte auch ein Rückgang der weissen Blutkörperchen (Lymphozyten) zu beobachten. Überdies würde der natürliche Reparaturmechanismus von Zellen in Nahrungsmitteln zerstört, was einen ungesunden Gärungsprozess zur Folge habe.

Blutuntersuchungen bei Probanden ergaben nach Angaben von Dr. Hertel, dass bereits fünfzehn Minuten nach dem Verzehr von in Mikrowellengeräten erhitzter Nahrung eine Verschlechterung der Hämoglobin-, Hämatokrit-, Erythrozyt- und Leukozyt-Werte zu beobachten war.

Unabhängig davon wird immer wieder behauptet, dass die Erhitzung im Mikrowellenofen wichtige Nährstoffe in den Lebensmitteln zerstören würde. Auch würde ein grosser Teil wichtiger Vitamine neutralisiert und damit der Verfügbarkeit für den Körper entzogen werden.



Ausserdem diskutiert wird immer wieder die vom Gerät ausgehende Strahlung auf den Menschen. Von Beeinflussung der Hirnströme bis hin zur Gefahr für ungeborenes Leben wird hier vieles ins Feld geführt. Bisher jedoch ohne handfeste Nachweise.

Vor allem eine Sache von Emotionen

Der Kampf um die Mikrowelle ist in erster Linie eine Sache von Emotionen. Wer die praktischen Vorteile dieses Haushaltsgerätes kennen und schätzen gelernt hat, geht zumeist anders an die Angelegenheit heran, als ein blosser „Zuschauer“, der selbst nie einen Mikrowellenofen besessen hat.



Geriete die Strahlung einer Mikrowelle auf den menschlichen Körper, würde dies durch die Erhitzung des Wassers zu schweren Verletzungen führen. Insofern gibt es keine Zweifel, dass Mikrowellen für biologische Zellen gefährlich sind. Die im Handel erhältlichen Geräte sind jedoch durch einen Metallkäfig und das Schutzgitter hinter der Glasscheibe so ausreichend abgeschirmt, dass bei intakten Geräten nur ganz geringe Strahlungsmengen nach aussen dringen können, die weit unter den gesetzlichen Höchstgrenzen liegen.

Empfehlenswert ist grundsätzlich der Kauf eines Gerätes, das Auftauen, Erhitzen, einen Umluftbetrieb und eine Grillfunktion unterstützt. Solche Modelle sind oft hochwertiger und besser verarbeitet als einfache Billigvarianten.

Darüber hinaus liegen die in einem Mikrowellenofen erzeugten Strahlen in einem Frequenzbereich, der keine zellverändernde Wirkung besitzt. (Bild: Praisaeng / Shutterstock.com)

Darüber hinaus liegen die in einem Mikrowellenofen erzeugten Strahlen in einem Frequenzbereich, der keine zellverändernde Wirkung besitzt. (Bild: Praisaeng / Shutterstock.com)

Darüber hinaus liegen die in einem Mikrowellenofen erzeugten Strahlen in einem Frequenzbereich, der keine zellverändernde Wirkung besitzt. Mithin sind Mikrowellengeräte nach dem aktuellen Stand der Forschung hinsichtlich etwaiger Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf den Menschen unbedenklich. Trotzdem empfiehlt es sich, nicht direkt vor der Scheibe zu stehen und dem sich drehenden Teller minutenlang zuzusehen, da ein möglicherweise defektes Gerät vor allem für die Augen gefährlich werden kann.

Und die Nahrungsmittel?

Zur Frage, ob Mikrowellenstrahlung Einfluss auf die Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln hat, wurden in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Im Ergebnis wurde stets versichert, dass beispielsweise Gemüse, welches mit nur wenig Flüssigkeit und in normalen Portionen in einem Mikrowellenofen gegart wird, keinen höheren Vitaminverlust aufweist, als wenn es auf dem Herd gedünstet wird. Bei sachgemässer Zubereitung sei die schnelle Erwärmung sogar nährstoffschonender als dies in einem Topf auf dem Herd der Fall ist, da beim normalen Kochen viele Vitamine in das Wasser übergehen und letztlich weggeschüttet würden. Auch konnte nicht nachgewiesen werden, dass in den Nahrungsmitteln Reste von Mikrowellen zurückbleiben würden.



Trotz alledem hat die Verwendung von Mikrowellengeräten zur Lebensmittelzubereitung ihre Grenzen. So ist beispielsweise die Erwärmung von Geflügel oder Eiprodukten problematisch, da die Abtötung von Salmonellen oder Listerien nicht zuverlässig garantiert werden kann. Auch für die Zubereitung von Babynahrung ist ein Mikrowellengerät aufgrund der Temperaturverteilung nicht sinnvoll. Und beim Erwärmen von Milch für die Kleinsten sollte eher auf einen Flaschenwärmer zurückgegriffen werden, denn mit ihm lässt sich schnell und gleichmässig die richtige Temperatur erzeugen.

Übrigens können bei der Beurteilung von Lebensmitteln und deren möglicher Beeinflussung durch bestimmte Zubereitungsprozesse mitunter auch die Publikationen der Stiftung für Konsumentenschutz eine gute Hilfe sein. Für Verbraucher ist es gut, dass eine Organisation existiert, die sich um die Belange der Konsumenten kümmert und dazu beiträgt, Ängste zu nehmen und zugleich über tatsächliche Gefahren aufzuklären.

Das Fazit

In Sachen Mikrowellen ist Panik ebenso unangebracht wie übertriebene Vorsicht. So lange das Gerät technisch intakt ist und keine Beschädigungen am Gehäuse aufweist, sollte – glaubt man den gebetsmühlenartig wiederholten Beteuerungen von Strahlenschutzexperten – die Benutzung ungefährlich sein.

Und auch, wenn hier keine generelle Empfehlung für den Einsatz eines solchen Gerätes gegeben werden kann, braucht niemand beim Anspringen des bekannten Gebläsegeräusches eines Mikrowellenofens fluchtartig die Küche zu verlassen.




 

Oberstes Bild: © Kostenko Maxim – Shutterstock.com

Über Christian Schreiber

Christian Schreiber ist seit mehr als 15 Jahren als Autor tätig und hat bereits für Verlage wie Rowohlt, die Verlagsgruppe Random House (Bertelsmann) sowie verschiedene Zeitungen gearbeitet.
Neben der Erstellung vielfältiger Sachtexte zu den unterschiedlichsten Themenfeldern befasst er sich insbesondere mit Rechts- und Finanzangelegenheiten und gibt Wohn- und Einrichtungstipps.


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