Verkürzte Lebensdauer und Garantieverlängerung bei Haushaltsgeräten – doppelter Betrug?

09.02.2015 |  Von  |  Allgemein

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Ein neues Gerät ist immer etwas Schönes. Neue Fernseher versprechen brillante Bilder, neue Hi-Fi-Anlagen eine bislang unerreichte Klangqualität. Ebenso versprechen neue Haushaltsgeräte besonders gute Leistungen rund um die Zubereitung von Speisen oder die Reinigung von Wäsche und Geschirr.

Im Werkzeug- und Spielzeugbereich ist es ebenso: Die Auswahl ist riesig, die Preise vergleichsweise niedrig, und es scheint, dass der Elektronikbereich ein Käuferparadies geworden ist.

Die Betonung liegt auf „scheint“, denn die preiswerten und die hervorragenden Leistungen der Neugeräte haben einen Haken. Ihre Lebensdauer ist mittlerweile dermassen verkürzt, dass man sich nur noch wundern kann. Hi-Fi-Bausteine, wie sie in den 1980ern angeboten wurden, werden in dieser Qualität faktisch nicht mehr hergestellt. Wenn man bedenkt, wie viele dieser 20 bis 30 Jahre alten Geräte noch im Einsatz sind, ist dies verwunderlich. Denn theoretisch könnte man die Bausteine durchaus so bauen, dass sie vielleicht veralten, nicht aber vorzeitig entsorgt werden müssen.

Der Autor dieses Artikels besitzt einen Receiver, den er im Jahr 1990 gekauft hat und der bis heute tadellos seinen Dienst verrichtet. Seit 1990 sind aber acht CD-, DVD- oder Blu-Ray-Player gekommen und wieder gegangen, weil sich ein plötzliches technisches K. o. eingestellt hat. Dabei ist noch nicht einmal der Kauf von Markenware ein Garant für eine akzeptable Lebensdauer. Wie nach der Uhr stellen die Geräte regelmässig kurz nach Ablauf der gesetzlichen Garantie ihre Funktion ein. Doch damit nicht genug.

Nicht nur, dass die Geräte einfach nicht mehr funktionieren – sie sind dann in der Regel auch irreparabel, zumindest angeblich. Die Kundendienste der Elektronikmärkte und Hersteller verweisen dabei gerne auf „nicht mehr lieferbare Ersatzteile“. Zwar streiten alle Hersteller die Existenz der „geplanten Odoleszenz“ – dies ist der Fachausdruck für den vorzeitigen und vor allem gewollten Verschleiss – ab. Angesichts nicht mehr lieferbarer Ersatzteile ist die Strategie dahinter jedoch allzu offensichtlich. Zurück bleiben Kunden mit langen Gesichtern, denn angesichts der kurzen Lebensspanne vieler Geräte wird ihr günstiger Kaufpreis doch relativiert.

Was wirtschaftlich sinnvoll sein kann, hat dramatische Folgen. Die kurze Lebensspanne der Geräte verknappt wertvolle Ressourcen in zunehmendem Masse. Das Recycling der Altgeräte ist dazu zwar eine sinnvolle Gegenmassnahme, wird aber häufig nicht konsequent betrieben. Ausserdem ist ein gewisser Schwund der Rohstoffe auch bei fachgerechtem Recycling immer gegeben.

Ein ordentliches Recycling würde bedeuten, das Gerät manuell in seine Bestandteile zu zerlegen und so sortenrein wie möglich der Wiederverwertung zuzuführen. In der Praxis wartet jedoch auf die ausgedienten Waschmaschinen, Stereoanlagen und Fernseher lediglich der Schredder. Die nachgeordneten Trennsysteme haben zwar ebenfalls ein hohes Entwicklungsniveau erreicht. Dennoch können das Schreddern und anschliessende Sortieren nicht die Sortierungsqualität der sorgsamen Zerlegung ersetzen. Ein gewisser Schwund an wertvollen Rohstoffen wird also billigend in Kauf genommen.


Dabei ist noch nicht einmal der Kauf von Markenware ein Garant für eine lange Lebensdauer. (Bild: © HconQ  - shutterstock.com)

Dabei ist noch nicht einmal der Kauf von Markenware ein Garant für eine lange Lebensdauer. (Bild: © HconQ – shutterstock.com)


Angesichts der auflaufenden Mengen ist die Frage nach dem Sinn kurzlebiger Elektrogeräte mehr als berechtigt: Allein im Jahr 2013 wurden in der Schweiz gute 62’000 Tonnen Elektronikschrott gesammelt. Wie gesagt, dies betrifft nur den „gesammelten“ Schrott. Der unfachmännisch entsorgte Elektroschrott ist in diesen Zahlen nicht enthalten. Man stelle sich diese Menge einmal auf einem Haufen vor!

Es regt sich mittlerweile Widerstand. Immer mehr Käufer wollen partout nicht einsehen, warum ein junges Gerät ohne Gewalteinwirkung oder Fehlbedienung plötzlich irreparabel beschädigt sein soll. Was mit in der Berufsehre verletzten Fachleuten angefangen hat, ist nun auf mutige Privatpersonen übergesprungen. Immer mehr Besitzer defekter Geräte greifen nun selbst zum Schraubenzieher und machen sich an eigene Reparaturversuche. Die Bildung von Klubs und Vereinen, welche sich mit diesem Thema auseinandersetzen, ist ein vielerorts beobachtetes Phänomen.

Zu Hilfe kommen heute den Selbermachern die neuen Medien. Das Internet ist voll mit Tutorials, welche mit „How to repair“ beginnen. Vom Drucker bis zur Spülmaschine kann mit diesen Hilfen auch ein Laie gute Ergebnisse erzielen.

Die zunehmende Unzufriedenheit der Kunden ist beim Handel angekommen. Mit dem Verkauf von „Garantieverlängerungen“ machen diese nun ein ordentliches Zusatzgeschäft, das die Marge durch den Verkauf der Produkte häufig übertrifft. Mit einem Betrag, welcher bis zu 20 % des Kaufpreises eines Gerätes ausmachen kann, soll seine Garantie verlängert werden. Was verlockend klingt, hat jedoch einen gewaltigen Haken.

Im Kleingedruckten des Vertrages über die sogenannte Garantieverlängerung findet sich der Hinweis, was genau im Garantiefall ersetzt wird. Dies betrifft in der Regel nur noch den Restwert eines Produktes. Da dieser in der Regel in etwa der Versicherungsprämie entspricht, geht der Kunde faktisch leer aus.

Der Tendenz, Geräte immer minderwertiger zu machen, sind natürliche Grenzen gesetzt. Irgendwann sind die Produkte von so schlechter Qualität, dass sie unverkäuflich werden. Die Strategie der „nicht mehr lieferbaren Ersatzteile“ wird auch nicht ewig Bestand haben. Der 3D-Druck erlaubt heute den Nachbau jedes noch so komplexen Bauteils.

Dennoch ist die Sorge der Hersteller verständlich. Die jahrzehntelange Lebensdauer, welche die alten Elektrogeräte besassen, führt unweigerlich zu einer flächendeckenden Marktsättigung. Das Problem lösen könnten eine ordentliche Portion Ehrlichkeit und ein neues Denken: Weg vom Besitz, hin zu einer Langzeitmiete mit umfassenden Serviceleistungen, könnte ein neuer Weg sein. Wenn die Kunden die Geräte nicht mehr kaufen, sondern für einen günstigen Betrag mieten, sollten doch alle Beteiligten zufriedenzustellen sein. Die Kunden haben stets aktuelle Geräte und die Hersteller eine fortlaufende Auslastung und stets konstante Umsätze.



Ein intelligentes und konsequentes Recycling der Altgeräte rundet diese Idee ab. Neue Wege sind also durchaus möglich, wenn man den Mut zum frischen Denken findet.

 

Oberstes Bild: © kazoka – shutterstock.com

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