Frischekur für alte, lieb gewordene Möbelstücke

22.10.2014 |  Von  |  Allgemein

Geschätzte Lesezeit: 6 minutes

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In beinahe jedem Haushalt finden sich Möbelstücke mit Geschichte. Beispielsweise die Wäschetruhe aus Omas Zeiten, der breite Ohrensessel von Onkel Heinz oder der lieb gewonnene Glastürenschrank aus der eigenen Jugend. Man möchte sich von keinem Stück trennen – zu viele Erinnerungen verbinden einen mit diesen Einrichtungsgegenständen. Aber schaut man genau hin, sieht man die Spuren, welche die lange Zeit hinterlassen hat. Holz und Bezugsstoffe haben gelitten und brauchen eine Frischekur, was soll man tun?

Die erste Frage ist, kann bzw. sollte eine Aufarbeitung selbst vorgenommen werden oder vertraut man doch lieber einem Fachmann, der die nötige Erfahrung aufweist. Abgesehen von den Kosten spielt natürlich der Umfang der auszubessernden Schäden eine Rolle. Nicht zuletzt ist eigenes handwerkliches Geschick vonnöten. So manch kleinerer Makel am vertrauten Stück lässt sich jedoch in aller Regel mit wenig Aufwand rasch und unkompliziert beheben.



Anpassung an die sonstige Einrichtung

Alte Möbel sind oftmals viel langlebiger und robuster als ihre modernen Nachkommen. Um sie weiterhin nutzen zu können, ist irgendwann eine kleinere oder grössere Restaurierung notwendig.

Manchmal müssen die alten Möbel auch nur der aktuellen Wohnungs- oder Zimmergestaltung angepasst werden. Ein neuer Bezugsstoff bei Esszimmerstühlen oder eine Neufurnierung beim kleinen Wohnzimmerschränkchen wirkt dabei Wunder. Für den letzteren Fall kann man zum Beispiel auf im Handel erhältliche, hochwertige Klebefolien zurückgreifen. Diese lassen das gute alte Möbelstück wie neu erscheinen und die Oberfläche wird nicht beschädigt. So bleibt die Option erhalten, eine umfassende fachmännische Restaurierung später einmal vornehmen zu lassen.

Oft ist die Anpassung der alten Teile an die Höhe der sie umgebenden Einrichtung gefragt. Da steht beispielsweise ein modernes Sideboard mit grazilen Füssen, die alte Kommode jedoch, die optisch so gut harmoniert, ist zehn Zentimeter zu flach. Diese Angelegenheit kann durch das Unterschrauben eines passenden Holzsockels oder elegant wirkender Standbeine geklärt werden. Hierzu werden Sie im Baumarkt fündig. Umgekehrt erhält der zu hohe Esstisch durch behutsames (und gleichmässiges!) Kürzen der Beine relativ leicht die richtige Höhe. Doch Vorsicht ist angebracht: Diese Art Veränderungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen! Besonders bei kostbaren Stücken sollten derartige Massnahmen daher gründlich durchdacht werden, denn sie schmälern den Wert erheblich.

Grosse optische Wirkung



Alte Möbel erscheinen vielfach durch Verzierungen mit grafischen Motiven in verändertem Glanz und vermitteln eine ganz neue Erscheinung. Für eine solche optische Umgestaltung eignen sich am besten passende Schablonen, mit denen das spätere Bild auf der Möbeloberfläche zunächst vorgezeichnet und später ausgemalt wird.

Interessant kann es auch sein, Muster zu übertragen, die sich auf anderen Einrichtungsgegenständen im gleichen Raum wiederfinden. Man verwendet dünnes Butterbrot- oder spezielles Pauspapier, um ein Motiv zu kopieren, und kann es dann an der gewünschten Stelle auf dem zu verschönernden Möbelstück aufbringen. Schliesslich erlaubt die eigene Kreativität die abschliessende farbliche Gestaltung.

Arbeitsschritte Abziehen – Schleifen – Beizen

Will man Holzoberflächen von Grund auf restaurieren, hängt die weitere Vorgehensweise davon ab, welches Beschichtungsmaterial ursprünglich verwendet wurde. Bei vielen Möbelstücken ist es notwendig, mehrere übereinander liegende Lackschichten zu entfernen. Dafür kommen entweder eine Heissluftpistole oder chemischen Abbeizer zum Einsatz. Auch das Abziehen mit einem Furnierhobel ist möglich, diese Variante bleibt aber geübten Händen vorbehalten. Sinnvoll ist daher das Abnehmen von Schichten mittels elektrischen Exzenter- oder Schwingschleifern, indem zuerst mit grobem, dann mit feinerem Schleifpapier gearbeitet wird. Hierbei ist die Verwendung einer Atemschutzmaske wichtig, weil durch den entstehenden Feinstaub die Gesundheit gefährdet sein kann.

Nachdem das Holz von Farben und Lacken befreit ist, kann die Oberfläche neu behandelt werden. Möglich sind entweder Wachs, Öl oder Lacke. Zu beachten ist dabei, dass auf geölten Flächen, wie sie häufig bei Teakholz zu finden sind, keine Lasuren oder Lacke aufgebracht werden dürfen. War das Möbelstück einstmals lackiert, wird nach dem Abschleifen wieder Lack verwendet.



Hilfe – der Holzwurm war dran



Wenn ein antikes Möbelstück lange Zeit vergessen auf dem Dachboden, im Keller oder einer dunklen Ecke stand, ist vor einer Restaurierung eine Prüfung auf Holzwurmbefall unbedingt zu empfehlen. Merkmale sind kleinere Löcher im Holz, die nahelegen, dass besagte Nagekäfer am Werk waren. Um Gewissheit darüber zu erlangen, werden Stuhl, Truhe oder Schrank auf ein einfarbiges Betttuch oder eine Papierplane gestellt. Findet man darauf nach einigen Tagen Holzmehl, sind die Würmer noch aktiv. Zur Rettung des Möbelstücks ist in derartigen Fällen die Behandlung mit einem speziellen Entwurmungsmittel unumgänglich.

Was tun gegen Instabilität?

Alte hölzerne Möbel werden oftmals instabil. Sind sie jahrzehntelang Tag für Tag in Benutzung, gehen auch einst sehr robuste Stühle irgendwann einmal kaputt. Durch Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, der Heizung oder anderer Klimaeinflüsse geraten früher oder später selbst Schränke oder Kommoden aus den Fugen. Solche Schäden zu beheben, bedeutet, die Stücke möglichst vollständig zu zerlegen, die Einzelteile abzuschleifen und sie danach wieder zusammenzusetzen und zu verkleben. Ratsam ist dieses Vorgehen bei Tischen, Stühlen oder Kleinmöbeln. Es bedarf sicher nicht der besonderen Erwähnung, dass hierbei mit grosser Sorgfalt vorgegangen werden muss.

Wem eine aufwendige Überarbeitung zu problematisch scheint, der sollte sein lieb gewonnenes Mobiliar besser in die versierten Hände eines Möbelrestaurators geben.

Doch egal, ob das Stück in eigener Handwerksarbeit oder von einem Fachmann ausgebessert wird: Viele alte Möbel gehören noch lange nicht auf den Sperrmüll. Sie können meistens mit relativ geringem Aufwand überarbeitet werden.



 

Oberstes Bild: © Goodluz – Shutterstock.com

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