Armeeapotheke verteilt 9 Millionen Kaliumiodid-Tabletten an Schweizer Haushalte

24.11.2014 |  Von  |  Allgemein

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Sie haben in den letzten Tagen ein violett-weisses Medikamentenpäckchen in der Post gefunden? Dann sind Sie Zeuge der herausragenden Fürsorge des Schweizer Staates für seine Bürger geworden. In den Päckchen sind nämlich Iodidtabletten, die im Falle eines radioaktiven Ernstfalls lebenswichtig sind. Empfänger sind alle Schweizer Bürger und Institutionen in einem Radius von 50 km um ein Atomkraftwerk.

Bei der Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten wird die Schilddrüse mit Jod gesättigt. Sollte aus einem Atomkraftwerk radioaktive Strahlung austreten, verhindert man damit, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ablagert. Dieses könnte auch noch Jahre später zu schweren Krebserkrankungen führen. 10 Jahre nach der letzten Verteilung von Jod-Tabletten haben diese ihr Ablaufdatum erreicht, weshalb die Atomkraftwerksbetreiber neue Tabletten verteilen müssen. Die Beschaffung und Verteilung läuft, wie auch schon im letzten Jahrzehnt, über die Armeeapotheke AApot. Die AApot ist die einzige Bundesstelle, die über die notwendigen gesetzlichen Bewilligungen verfügt, Medikamente herzustellen, zu importieren und zu vertreiben.

Armeeapotheke stemmt Grossprojekt

Mit rund 9 Millionen verteilten Tabletten handelt es sich bei dieser Aktion um ein Grossprojekt. Aus diesem Grund sind die Mitarbeitenden der AApot seit rund zwei Jahren damit beschäftigt, die Verteilung der neuen Tabletten zu organisieren, sagt Thomas Meister, stellvertretender Chef Armeeapotheke. Das umfasst die Bestellung beim zugelassenen Hersteller, die Einfuhr, die Verteilung, die Lagerung und schliesslich die Rücknahme der alten Tabletten.


Die von der AApot vertriebenen Tabletten gelten als Antidot bei radioaktiver Verseuchung. (Bild: © Philipp Ochsner)

Die von der AApot vertriebenen Tabletten gelten als Antidot bei radioaktiver Verseuchung. (Bild: © Philipp Ochsner)


Dass jetzt fast die ganze Schweiz mit neuen Kaliumiodid-Tabletten versorgt wird hat zwei Gründe. Erstens wurde die Jodtablettenverordnung vom Bundesamt für Gesundheit revidiert, mit Auswirkung auf die Verteilung: Der Unfall im Atomkraftwerk Fukushima in Japan hat gezeigt, dass sich je nach Wetterlage radioaktive Stoffe weiter verbreiten können, als theoretisch angenommen. In der Schweiz sollen neu alle Bewohner, die im Umkreis von 50 Kilometern um ein Atomkraftwerk wohnen mit Jodtabletten versorgt werden, damit auch sehr grosse Agglomerationen wie Zürich oder Basel eingeschlossen sind, wo eine rasche Verteilung unmöglich wäre. Bisher wurde die Gemeinden im 20-Kilometer Radius um die Werke bedient.

 Zweitens erteilt die Heilmittelbehörde Swissmedic für Arzneimittel eine maximale Haltbarkeit von 5 Jahren. Das heisst, auch wenn sie länger haltbar wären, muss ein Verfallsdatum von maximal 5 Jahren aufgedruckt werden. Kaliumiodid ist ein sehr stabiles Salz und laut Thomas Meister eigentlich sehr lange haltbar. Da diese Tabletten nur im Notfall auf behördliche Anordnung eingenommen werden sollen, hat Swissmedic hier eine Ausnahme gemacht. Sie sind 10 Jahre haltbar. Diese sind jetzt aber seit der letzten Verteilung verstrichen.

Die Karte zeigt die Schweizer Regionen, in welche die Tabletten versandt wurden. (Bild: LBA)

Die Karte zeigt die Schweizer Regionen, in welche die Tabletten versandt wurden. (Bild: LBA)


Knapp 5 Millionen Tabletten werden an alle Haushalte in den genannten Gemeinden verteilt, aber auch rund 4 Millionen an Schulen, Spitäler, Betriebe und Behörden. Dies, weil das Jod im Bedarfsfall sehr schnell eingenommen werden muss. Dass ein Land einen solchen Aufwand betreibt, ist nicht selbstverständlich. Die Schweiz ist das einzige Land, das Kaliumiodid-Tabletten vorsorglich direkt an die Bevölkerung abgibt, sagt Thomas Meister nicht ohne Stolz.

Rücknahme und Vernichtung

Wenn die neuen Tabletten verteilt sind, sollte man die alten in einer Apotheke oder Drogerie zurückgeben. Diese geben die Tabletten dann der AApot zurück, welche sie fachgemäss in einem Hochtemperaturofen verbrennen lässt. Bei diesem Vorgang wird übrigens klar, woher der Name Jod kommt: Verbrennt man Kaliumiodid entstehen violette, veilchenfarbene Dämpfe. “Ioeides” ist griechisch und bedeutet “veilchenfarben” oder “violett”.

 

Quelle: Kommunikation LBA

 

Oberstes Bild: © Philipp Ochsner

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