Einmal hoch und wieder runter – vom richtigen Umgang mit Leitern

20.03.2015 |  Von  |  Allgemein

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Manchmal muss man einfach hoch hinaus. Im wahrsten Sinn des Wortes. Für viele Menschen gehört der Umgang mit Leitern, Kletter- und Steighilfen gar zum Alltag – im Haushalt ebenso wie bei der Arbeit. Doch jeder Mensch, der sich vom sicheren Boden fortbewegt, begibt sich damit prinzipiell in Gefahr.

Dabei ist der Umgang mit einer Leiter umso sicherer, je besser sie zu ihrem Einsatzzweck passt. Da das Leiterprinzip mit seinen Holmen und Sprossen sich am menschlichen Körper orientiert, sind hier kaum Variationen möglich.

Doch jeder, der schon einmal mit einer ungeeigneten Leiter arbeiten musste, weiss, dass deren Bauart, Länge, Gewicht, Material und Zustand nicht nur entscheidend für den praktischen Wert sind, sondern auch wesentliche Sicherheitsfaktoren darstellen.

Wann die Leiter richtig steht

Eine Grundvoraussetzung, die jede Steighilfe erfüllen muss, ist die ausreichende Stabilität. Und dabei spielt der Mensch eine entscheidende Rolle. Denn nur sehr selten geschehen Unfälle beim Auf-, Ab- und Übersteigen durch Defekte an der Steigtechnik, etwa das Durchbrechen oder Abfallen einer Leitersprosse. Die meisten Stürze und Verletzungen beim Umgang mit Leitern resultieren aus menschlichem Fehlverhalten. So kann bereits eine kurze Anlegeleiter lebensgefährlich werden, wenn sie im falschen Winkel angelegt wird oder auf einem rutschigen Untergrund steht.

Beim Anlehnen von Leitern muss der Anlegewinkel stimmen, damit die Leiter nicht wegrutscht oder kippt. Den optimalen Winkel zu ermitteln ist recht einfach: Nach dem Aufstellen der Leiter muss es möglich sein, darauf in aufrechter Körperhaltung aufwärts- und abwärtszugehen. Und so lässt sich das schnell feststellen:

  • Beide Füsse auf die unterste Leitersprosse stellen.
  • Arme ausstrecken und mit beiden Händen die Leitersprosse in Schulterhöhe umfassen.
  • Ein prüfender Blick: Bilden Arme und Körper ungefähr einen rechten Winkel?
  • Falls ja, steht die Leiter im richtigen Winkel.

Leitern besteigen – immer ein gewisses Risiko

Im Tagesbetrieb herrschen oft Zeit- und Termindruck. Viele haben bei der Arbeit mehrere Aufgaben, Stationen und Ziele zugleich im Kopf und machen sich über die Wege nur wenig Gedanken. Ein Mensch, der schnell etwas aus dem obersten Regal braucht, sieht mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Anlegen der Leiter nicht auf deren Standfüsse, sondern bereits nach oben – denn dort will er hin. Fühlt er dann beim Hochklettern, dass die Leiter nicht ganz sicher steht, steigt er voraussichtlich trotzdem weiter – lediglich ein wenig vorsichtiger.

Auch und gerade Menschen, die sehr viel mit Leitern hantieren, neigen dazu, das alltägliche Risiko zu unterschätzen oder darüber hinwegzusehen. Doch unterm Strich verbessern Erfahrung und Routine die Sicherheit beim Nutzen von Steighilfen. Steigen, Klettern und Arbeiten auf Leitern schulen die Körper- und Raumwahrnehmung, die Koordination und den Gleichgewichtssinn. Im Interesse der Mitarbeitersicherheit und auch wegen des vorgeschriebenen Arbeitsschutzes sollten die Verantwortlichen im Betrieb dafür Sorge tragen, dass nur Mitarbeiter mit entsprechender Eignung die Steigtechnik benutzen und jeder vorher in den richtigen Umgang damit eingewiesen worden ist.


Eine Grundvoraussetzung, die jede Steighilfe erfüllen muss, ist die ausreichende Stabilität. (Bild: © Greg McGill - shutterstock.com)

Eine Grundvoraussetzung, die jede Steighilfe erfüllen muss, ist die ausreichende Stabilität. (Bild: © Greg McGill – shutterstock.com)


Was eine Leiter können muss

Um zu ermitteln, welche Leiter für welchen Einsatz geeignet ist, ist es sinnvoll, sich vor der Anschaffung ein paar Fragen zu beantworten:

  • Wird die Leiter nur einem Zweck dienen bzw. nur an einem Ort verwendet werden?
  • Wer wird die Leiter nutzen?
  • Wie oft wird die Leiter gebraucht?
  • Wie bzw. woran wird die Leiter gesichert (oben, unten, Anlehnen, Aufstellen, Einhaken, Festmontage)?
  • Falls die Leiter transportiert werden muss: Wie schwer darf sie sein? Wie viel Platz darf sie in Anspruch nehmen? Wird sie überwiegend getragen (treppauf, treppab) oder gefahren (auf derselben Ebene)?
  • Gibt es Bestimmungen hinsichtlich des Materials (Brandschutz, Gewicht, Tragfähigkeit, Bruchfestigkeit)?
  • Falls die Leiter nicht dauernd im Einsatz ist: Wie und wo wird sie verstaut?

Bevorzugte Leitermaterialien sind Leichtmetall (Aluminium), Stahl und Hartholz. Unter Umständen müssen Leitern elektrisch isoliert oder geerdet sein. Aluminiumleitern punkten auch bei hoher Belastbarkeit durch ihr geringes Gewicht. Bei Holzleitern muss die Holzoberfläche stets sichtbar bleiben, um Schäden rechtzeitig zu erkennen. Daher sollten sie nicht deckend lackiert werden und auch keine grossflächigen Farbspuren aufweisen.

Die wichtigsten Leitertypen

Bei einer Stehleiter sind zwei Leiterteile durch oben liegende Gelenke beweglich miteinander verbunden. Die gespreizte Leiter steht sicher auf vier Standfüssen. Durch Bügel oder Ketten an den Seiten wird die Leiter gegen unerwünschte Gelenkbewegungen gesichert.

Ausziehbare Leitern (Teleskopleitern) können verschiedene Steighöhen überbrücken. Ihre seitlichen Rahmenteile dienen beim Steigen als Handläufe.

Moderne Mehrzweckleitern sind meist dreiteilig und können als Anlage-, Schiebe- oder Stehleiter verwendet werden. Es gibt auch Vielzweckleitern, die sich mittels Extrascharnieren in Arbeitsböcke verwandeln oder sehr klein für den Transport zusammenfalten lassen.

Trittleitern gibt es in fast jedem Haushalt und Betrieb. Die praktischen Stufen-Stehleitern haben üblicherweise zwischen zwei und acht bequeme Stufen, von denen die oberste ein kleines Standpodest ist. Trittleitern lassen sich freihändig besteigen und platzsparend verstauen.

Kreuz- oder Passgang?

Die Leiter ist ein sehr altes Gerät. Der absolute Klassiker ist die sogenannte starre Leiter, eine Steighilfe mit fester Länge bzw. Steighöhe. Üblicherweise sind die Leitersprossen zwischen zwei Holmen befestigt. Es gibt aber auch platzsparende Varianten mit nur einem stabilen Holm in der Mitte, über den die Sprossen rechts und links hinausragen. Vielfach sorgen Kerben oder Aussägungen im Holm für den festen Sitz der Leitersprossen.

Beim Auf- und Absteigen auf einer Leiter arbeiten Arme, Beine, Hände und Füsse zusammen. Es gibt dabei zwei mögliche Bewegungsmuster: den Kreuzgang und den Passgang. Beim Kreuzgang werden abwechselnd die linke Hand und der rechte Fuss und dann die rechte Hand und der linke Fus auf die nächsthöhere oder -tiefere Sprosse gesetzt. Beim Passgang klettern abwechselnd die rechte Hand und der rechte Fuss und dann die linke Hand und der linke Fuss.

Viele wissen gar nicht, welches Bewegungsmuster sie bevorzugen und ob es jedes Mal das gleiche ist. Andere wissen es sofort, weil ihnen irgendwann einmal jemand eine der beiden Methoden als „die richtige“ beigebracht hat und sie sich seither daran halten. Tatsächlich hat es keinen Einfluss auf die Sicherheit oder Geschwindigkeit der Bewegung, ob ein Mensch Leitern im Kreuz- oder im Passgang besteigt – ebenso wenig wie Links- oder Rechtshändigkeit.



Fazit: Die Arbeitssicherheit hängt entscheidend von der Qualität und Ausführung der Leiter sowie dem festen Stand ab. Die eine richtige Leiter für alle Situationen gibt es nicht, stattdessen muss jeweils die richtige Ausführung aufgestellt werden, um auch in der Höhe ungefährdet und sicher arbeiten zu können.

 

Oberstes Bild: © FamVeld – shutterstock.com

Über Christian Praetorius

Christian Praetorius, Jahrgang 1969, gelernter Controller und Logistiker mit jahrelanger Berufserfahrung. Seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Christine als freier Texter und Autor selbständig, erfolgreich und glücklich. Seine Kunden schätzen ihn für klare Worte, originelle Slogans und kreative Wortspiele ebenso wie für seine absolute Zuverlässigkeit und Kundenorientierung. Schreibt aus Berufung und mit Leidenschaft für die Sprache, die Botschaft und den Leser.


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