Mehr als nur Schaumschlägerei – Seife

18.05.2015 |  Von  |  Körperpflege
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Mehr als nur Schaumschlägerei – Seife
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Chemisch betrachtet sind Seifen eine Mischung längerkettiger Alkalisalze von Fettsäuren und zählen zu den anionischen Tensiden. Seife senkt die Oberflächenspannung von Wasser und sorgt so für eine erhöhte Reinigungswirkung, die Seife vor allem für die Hautreinigung auch heute noch unverzichtbar macht.

Durch die Verwendung von unterschiedlichen Ölen und Fetten bei der Seifenherstellung können ihre reinigenden und pflegenden (rückfettenden) Eigenschaften ebenso beeinflusst werden wie ihr Duft, die Konsistenz und Farbe.

Die Erfindung der Seife in ihrer heute noch bekannten Form wird auf das 7. Jahrhundert nach Christus datiert, als in Arabien erstmals Öl und Lauge verkocht wurden. Durch diesen Prozess des Seifensiedens wird das Fett durch die Lauge chemisch in Glycerin und die Alkalisalze der Fettsäure zerlegt, das Ergebnis ist eine zähflüssige Emulsion, die heute als „Seifenleim“ bezeichnet wird. Wird der Seifenleim in einem weiteren Arbeitsschritt mit einer Kochsalzlösung versetzt (Aussalzen), setzt sich oben der feste Seifenkern ab. Dieser wird mit viel Wasser und etwas Lauge erneut gekocht, um Verunreinigungen zu lösen. Durch erneutes Aussalzen entsteht dann Kernseife, die durch Farb- und Duftstoffe veredelt werden kann.

Vom Fett zur Seife

Kernseife wird heute kaum noch zur Körperreinigung verwendet, da sie durch ihren hohen (alkalischen) pH-Wert den Säureschutzmantel der Haut angreift und ihr Fett entzieht. Dieser Effekt kann durch die Zugabe von rückfettenden oder pflegenden Substanzen bei der Seifenherstellung verringert werden, etwa durch Lanolin (Wollwachs) oder Olivenöl. Auch das Verfahren zur Herstellung spielt eine wichtige Rolle, denn durch eine zusätzliche Erhitzung des Fett-Laugengemisches kann der Prozess der Verseifung beschleunigt werden. Dieses Verfahren wird hauptsächlich bei der industriellen Seifenproduktion angewendet, hat jedoch den Nachteil, dass Öle und Fette vollständig verseifen, also chemisch umgewandelt werden.

Beim Kaltverfahren wird dem auf 40-60 °C temperiertem flüssigem Fett konzentrierte Lauge (in der Regel Natronlauge) zugefügt, die Mischung gut verrührt, bis sie breiartig verdickt und sich der Seifenleim bildet. Dieser wird dann in eine Holzform gefüllt und langsam abgekühlt. Dann beginnt die Nachreifephase, bei der die Verseifung weiter fortschreitet und der pH-Wert der Seife sinkt. Beim Kaltverfahren kann durch exakte Dosierung der Lauge eine unvollständige Verseifung der Öle und Fette erreicht werden, die so hergestellte Seife ist dann „überfettet“ und hat einen rückfettenden Effekt beim Waschen.

Die vielen Formen von Seife

Heute sind zahlreiche unterschiedliche Seifensorten bekannt, die nur teilweise für die Körperreinigung geeignet sind. Vor der Entwicklung von hochwirksamen Tensiden wurde Seife auch zur Reinigung von Wäsche verwendet, allerdings beeinfluss die Wasserhärte die Waschkraft, da Seife in hartem Wasser mit einem hohen Anteil an Calcium und Magnesium so genannte Kalkseifen bildet, die wasserunlöslich sind. Zudem sind Seifen nur im basischen Bereich waschaktiv und können damit viele Flecken nicht lösen und herauswaschen. In modernen Waschmitteln werden Seifen daher nur noch in geringen Anteilen zugefügt, sie dienen dabei vordringlich nicht der Reinigung, sondern als Entschäumer, da die sich bildenden Kalkseifen die Schaumentwicklung mindern.


Die vielen Formen von Seife (Bild: © olegator - shutterstock.com)

Die vielen Formen von Seife (Bild: © olegator – shutterstock.com)


Für die Hautreinigung werden Feinseifen oder Toilettenseifen angeboten, die auf Basis von Kernseife hergestellt werden, die durch pflegende Zusätze, Farb- und Duftstoffe aufgewertet wird. Auch Leimseifen, bei denen das Glycerin nicht abgetrennt wurde, eignen sich für die Körperpflege, da das Glycerin in die schützende Hornhaut eindringt und sie vor dem Austrocknen schützt. Die Elastizität der Haut wird erhöht, sie fühlt sich weich und geschmeidig an.

Schmierseifen sind in der Regel von flüssiger oder halbfester Konsistenz und werden industriell aus billigen Fetten und Ölen unter Verwendung von Kalilauge hergestellt. Die früher auch als Fassseife bezeichnete Schmierseife lässt sich leicht mit Wasser mischen und wird zu Reinigungszwecken im Haushalt eingesetzt. Allerdings kann auch Schmierseife bei hartem Wasser Kalkseifen bilden, daher eignet sich Schmierseife nur in Regionen mit besonders weichem Wasser gut als Reinigungsmittel.

Gallseife wird während des Herstellungsprozesses Rindergalle zugegeben, deren Gallensäuren als Emulgator fungieren und die sich damit besonders zur Vorbehandlung und Entfernung von Fett- oder Eiweissflecken aus Textilien eignet. Sie hat eine tiefdunkle, grüne Farbe und sollte keinesfalls zur Körperreinigung verwendet werden.

Flüssigseifen sind häufig keine Seifen im eigentlichen Sinne, auch wenn sie ursprünglich aus den Schmierseifen entstanden sind. Durch den Einsatz von modernen Tensiden sind Flüssigseifen pH-neutral für die Haut und greifen den Säureschutzmantel nicht an. Sie werden nicht nur als Seifen, sondern auch als Duschgel, Shampoo und Badezusätze angeboten.

Eine Besonderheit stellt Rasierseife dar, die durch einen hohen Anteil von Stearinsäure einen besonders cremigen, festen Schaum erzeugt. Bei der Herstellung kommt oft nicht nur Natron-, sondern auch etwas Kalilauge zum Einsatz, wodurch die Seife geschmeidiger wird und sich besser anschäumen lässt.

Wandversiegelung mit Kalkseife

Beim Reinigen und Waschen ist die Bildung von wasserunlöslicher Kalkseife unerwünscht, doch genau diese Eigenschaft macht Kalkseife zu einem guten Putz für Wände und Böden. In Marokko wurde der Tadelakt erfunden, der mittlerweile weltweit verbreitet ist: Wände und Böden werden zunächst mit Muschelkalk verputzt und anschliessend mit schwarzer Olivenölseife eingerieben. Die Seife bildet mit dem Muschelkalk Kalkseife, der hydrophob, also wasserabweisend ist – Feuchtigkeit kann so nicht mehr eindringen.

Auch bei den antiken Römern war die hydrophobe Wirkung von Kalkseife bekannt, sie wendeten den so genannten Opus signinum seit dem 1. Jahrhundert vor Christus als wasserdichter Estrich zum Verputzen von Böden und Wänden an. Zunächst wurden die Flächen mit Sand, Mörtel, Kies, Terrakotta- und Keramikfragmenten  verputzt, darauf wurde eine Schicht aus Leinöl, in Rotwein gelöschtem Kalk (hierdurch erhielt Opus signinum seine typische rötliche Farbe), Teer und Wachs überzogen und poliert. Der gelöschte Kalk bildet eine Lauge, die das Leinöl verseift und Kalkseife bildet, die die Oberfläche versiegelte und schützte.



Fazit: Ob zum Händewaschen oder für die Bodenreinigung – Seife ist auch heute noch in nahezu jedem Haushalt zu finden und in Verwendung. Zwar gibt es für die Körperpflege mittlerweile Alternativen, die etwa dem pH-Wert der Haut mehr entsprechen und damit schonender reinigen, doch zum schnellen Händewaschen sind ein Seifenstück oder Flüssigseife immer noch unverzichtbar.

 

Oberstes Bild: © eAlisa – fotolia.com

Über Christian Praetorius

Christian Praetorius, Jahrgang 1969, gelernter Controller und Logistiker mit jahrelanger Berufserfahrung. Seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Christine als freier Texter und Autor selbständig, erfolgreich und glücklich. Seine Kunden schätzen ihn für klare Worte, originelle Slogans und kreative Wortspiele ebenso wie für seine absolute Zuverlässigkeit und Kundenorientierung. Schreibt aus Berufung und mit Leidenschaft für die Sprache, die Botschaft und den Leser.


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