Das Offiziersmesser: Ein Schweizer Geniestreich

04.08.2014 |  Von  |  Allgemein
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Das Offiziersmesser: Ein Schweizer Geniestreich
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Situationen, in denen wir nach Werkzeug suchen, gibt es genug. Mein eigener Werkzeugkasten ist ein beinahe geologisch gewachsenes Produkt, dessen Sedimente sich im Laufe vieler Jahre abgelagert haben. Wenn meine Frau sagt, dass sie einen Kreuzschraubendreher benötige, kann die Suche etwas länger dauern. Oder kennen Sie den? Nach einem langen Tag in Wanderschuhen sinken Sie auf die Holzbank zur Vesper. Weissbrot, Salami und ein zünftiger Roter sollen Sie stärken. Und wo ist der Korkenzieher? Alle Beteiligten klopfen sich schuldbewusst auf die Hosentaschen. Und dann bringt der Retter das berühmte rote Messer hervor.

Dieses Messer ist die Schweiz



Es ist selten, dass sich ein Land und ein Produkt so symbiotisch verbinden wie in diesem Fall. Weder die italienische Espressokanne noch der deutsche Volkswagen besitzen Nimbus und Wiedererkennungswert jenes kleinen roten Gebrauchsgegenstands, der seit dem 19. Jahrhundert die Welt erobert hat: das Schweizer Offiziersmesser. Seine erste Lieferung an die Armee des kleinen Alpenstaates erfolgte 1891. Kompakt war es von Anfang an, leistungsfähig, unzerstörbar. Seine Funktionen gehorchten dem Soldatenleben.

Vom Soldaten- zum Multifunktionsmesser

Dosenöffner, Ahle, Schlitzschraubendreher – und natürlich ein scharfes Messer: So überlebt man im Feld. Die Funktionen waren auf die Wartung des Schmidt-Rubins abgestellt, des damaligen Infanteriegewehrs. Insgesamt wurden die Militärmodelle des Schweizer Messers bis heute fünfmal modifiziert. 16 Nationalarmeen werden mit dem genialen Werkzeugkasten für die Hosentasche beliefert. Der grösste Teil der Messerproduktion geht jedoch an die Zivilgesellschaft: Unter den über 360 Varianten findet jedes Hobby sein Schweizer Wunschmesser.

Beständigkeit



Die Schweizer Messerschmiede, aus der das berühmteste Schweizer Produkt hervorgeht, ist ein Muster an Schweizer Beständigkeit. Seit 1884 in Familienbesitz, ein Hafen der sozialen Fürsorge für ihre Mitarbeiter, hat die Wiege des roten Messers sein Produkt durch alle Wechselfälle der Geschichte und Konjunktur gelenkt. Dabei ist die Bezeichnung Offiziersmesser übrigens irreführend, denn in der Schweizer demokratischen Armee erhält jeder Soldat ungeachtet seines Ranges das gleiche Modell.

Schweizer Messer müssen nicht für sich werben – sie werden fremdbeworben. Sie gehören zur Ausrüstung von Fernsehhelden und zur Grundausstattung eines jeden NASA-Astronauten. Gibt es eine bessere Werbung? Schweizer Messer sind Alltags- und Sammelobjekt zugleich. Versionen, die mit Gold, Platin und Brillanten eingefasst sind, kommen nicht in der Tundra, sondern in der heimischen Vitrine zum Einsatz. Dorthin gehört auch das ‚Giant Knife‘ – das funktionsumfangreichste Modell, das jemals gebaut wurde, mit 81 Einzelwerkzeugen, die 141 Tätigkeiten ausführen können. Breite 24 cm, Gewicht 1,3 kg. Viel Spass beim Transport.

Ein Messer geht mit der Zeit

Schweizer sind beständig und ihrer Qualität treu – aber auch wenn das Land von Bergen umschlossen ist, fehlt den Schweizern nicht der Weitblick. Die Messermodelle haben sich immer den Bedürfnissen der Zeit angepasst, ihre Weiterentwicklung ist geradezu eine Dokumentation der Alltagskultur. Dennoch besitzen die Schweizer den Blick fürs Eigentliche: Bestrebungen, beispielsweise ein Handy in das Messer zu integrieren, lehnen sie ab, denn dies, so argumentieren sie zu Recht, bringe das Eigentliche, nämlich das Messer, an den Rand der Beliebigkeit.

Modellvielfalt

Bei über 360 Modellen ist es ein bisschen wie Botanik, wenn wir versuchen, Ordnung in diese verwirrend zahlreiche Messerwelt zu bringen. Es gibt vier verschiedene Arten, die sich in mehrere Gattungen und Unterfamilien teilen. Fangen wir mit der Art an, die sich Schweizer Offiziersmesser nennt, denn sie ist die bekannteste. Das meistverkaufte Modell ist der unmittelbare Nachfolger des 1891er Urmodells mit Messer, Ahle und Schlitzschraubendreher. Dazu kommen noch ein Korkenzieher, ein weiterer Schraubendreher, ein Kapselheber und ein kleines Messer (zusätzlich zu dem grossen). Noch überschaubarer sind nur die Funktionen des Kindermessers mit abgestumpfter Klinge.

Das beschriebene Grundmodell des Schweizer Offiziersmessers wird um erfindungsreiche Erweiterungen ergänzt. Mit Säge wird es zum ‚Camper‘, mit Feile zum ‚Sportsman‘, mit Schere und Haken zum ‚Climber‘. Es gibt ‚Cyber Tools‘ für Computerbastler und den ‚Swiss Champ‘, einen veritablen Werkzeugkasten mit 80 Funktionen. Die Bezeichnungen sind dem Zeitgeist geschuldet, die Qualität der Schweizer Wertarbeit.

Unter die Bezeichnung Classic fällt eine Miniatur-Art des Schweizer Messers. (Bild: Pablo Hidalgo / Shutterstock.com)

Unter die Bezeichnung Classic fällt eine Miniatur-Art des Schweizer Messers. (Bild: Pablo Hidalgo / Shutterstock.com)

Messer in Miniatur



Unter die Bezeichnung Classic fällt eine Miniatur-Art des Schweizer Messers. Der 58 mm lange Winzling lässt sich mühelos am Schlüsselbund tragen und ist mit dem ganzen Arsenal der Schweizer Allroundmesser ausgestattet. Umfangreichere Vertreter der Classic-Linie besitzen nützliche Funktionen wie Kugelschreiber und LED-Licht. Der Mini-Swiss-Champ ist mit 16 Anwendungen vertreten: ein Raumwunder.



Feststellmesser für harte Arbeit

Suchen Sie ein solides Messer, das fest steht und etwas aushält? Für solche Zwecke haben die Schweizer die Feststellmesser ins Leben gerufen. Grosse Klinge und belastbares Werkzeug für alle, die in Hobby und Freizeit auf verlässliche Hilfen angewiesen sind. Zum Beispiel den ‚Skipper‘ mit Verriegelung für Klinge und Schraubendreher. Oder den ‚Hunter‘ mit gebogener Waidklinge und Hirschdesign.

Messer für die neue Zeit

Letzter Tribut an die Bedürfnisse des modernen Menschen sind die Flash Modelle der Schweizer Messerschmiede. Hier sind im Messer die Equipments der Notebook- und Tablet-Generation vereint: USB-Stick, Laser-Pointer, ausziehbarer Kugelschreiber – und ein Messerchen. Die zusätzlichen Ausstattungen rund um das Ur-Messer wechseln ganz nach Zeitgeist und Mode. Die Grundwerkzeuge aber werden mit den Grundbedürfnissen bleiben und jedem, der ein Schweizer Messer in der Tasche hat, das Gefühl geben, für den Notfall gerüstet zu sein.



 

Oberstes Bild: © Marc Dietrich – Shutterstock.com


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