Strom sparen mit mechanischen Haushaltsgeräten

10.07.2014 |  Von  |  Allgemein
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Strom sparen mit mechanischen Haushaltsgeräten
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Der fortschrittliche und politisch korrekte Mensch stellt sein Auto mit dem ‚Atomkraft – Nein danke‘-Aufkleber vor der Haustür ab und betritt seine hochmoderne Küche, um sich ein leckeres Süppchen zu zaubern. Er legt den elektrischen Passierstab bereit und steckt die Quirls ins elektrische Rührgerät. Jetzt noch Brot schneiden mit der elektrischen Brotschneidemaschine. Beim Transport zum Esstisch fallen Weissbrotkrumen zu Boden. Kein Problem: Mit dem elektrischen Handstaubsauger ist das Malheur schnell beseitigt. Es geht nichts über eine gut organisierte Küche.

Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose



Menschen- und umweltfreundliche Wind- und Wasserkraftwerke halten unsere häuslichen Steckdosen unter Spannung. Unsere Energie ist grün! Was also ist dagegen einzuwenden, wenn für die Zubereitung eines Süppchens inklusive Herd fünf elektrische Geräte zum Einsatz kommen? Nun ja, so eine Windmühle dreht sich nicht für Sie persönlich. Und auch der Wasserfall stürzt sich nicht von seinem Felsen, damit Ihre private Suppe schneller kocht. Alternative Energiequellen müssen mit vielen Menschen geteilt werden. Im Fall des Stromverbrauchs dürfen wir uns die Frage gefallen lassen: „Darf es auch etwas weniger sein?“

Unsere Grosseltern und Urgrosseltern sprachen nicht über Umweltschutz, sie praktizierten ihn. Sie fuhren mit dem Rad zum Laden, kauften heimische Äpfel (oder pflückten sie vom eigenen Baum), nahmen die Butter lose in Papier mit und radelten zurück. Ihre Küche war gut organisiert und voller hilfreicher Werkzeuge. Aber diese Werkzeuge waren nicht elektrisiert. Manche von ihnen sind immer noch oder wieder auf dem Markt und leisten dem Umweltfreund im Handumdrehen wertvolle Dienste.

Unsere Grosseltern und Urgrosseltern sprachen nicht über Umweltschutz, sie praktizierten ihn. (Bild: Mat Hayward / Shutterstock.com)

Unsere Grosseltern und Urgrosseltern sprachen nicht über Umweltschutz, sie praktizierten ihn. (Bild: Mat Hayward / Shutterstock.com)

Die Passevite – Passiergut im Handumdrehen



Legen wir den elektrischen Passierstab mal zur Seite und nehmen vom Küchenregal ein topfähnliches Gerät aus Edelstahl mit einem Drehgriff. Was wir in der Hand halten, ist eine Passevite oder ‚Flotte Lotte‘, wie die Deutschen sagen. Die Eigenschaftswörter dieses stromlosen Küchenklassikers geben bereits Auskunft über die Arbeitsweise der Passiermühle: schnell und effizient. Eine Passevite wird mit austauschbaren Edelstahl-Scheiben geliefert. Die drei Passierscheiben besitzen Lochungen von einem, zwei oder drei mm. Eine acht-mm-Reibscheibe kommt für schwieriges Passiergut zum Einsatz. Mit der Passevite gelingen sämige Suppen, seidige Pürees, perfekte Saucen, Fruchtmark und vieles mehr. Einfach in den Topf werfen und drehen – fertig. Der elektrische Passierstab kann also schon mal in der Schublade bleiben.

Der Handquirl ohne Sehnenscheidenentzündung



Natürlich braucht Ihr Süppchen ein Sahnehäubchen. Schliesslich betreiben Sie kulinarischen Aufwand. Haben Sie schon mal versucht, Sahne mit einem Schneebesen zu schlagen? Laut Paul Bocuse, dem Altmeister der französischen Küche, und etlichen anderen Koryphäen des Fachs muss die Sahne von Hand geschlagen werden und seidig glänzende Spitzen bilden. Viel Spass dabei. Ich persönlich habe dieses Kunstwerk jeweils auf halbem Wege abgebrochen, weil mich Kraft und Geduld verliessen. Aber ich habe schon mit Experten gekocht, die durch eine elaborierte Technik das Zauberstück zustandegebracht haben. Solche Welten des handwerklichen Geschicks erschliessen sich mir nicht.



Also doch den elektrischen Quirl raus? Die erste Niederlage vor der Steckdose zugeben? Nein! Der erfindungsreiche Mensch hat in stromlosen Zeiten auch hier Abhilfe geschaffen. Der Handquirl ist angeblich von den amerikanischen Amish People ersonnen worden, deren puritanisches Leben auf die Nutzung von Elektrizität verzichtet. Ob Wahrheit oder Verkaufstrick, sei dahingestellt – dieses Gerät überzeugt bei der ersten Benutzung. Ein solider Griff, eine robuste Kurbel, die ein Zahnrad dreht, das mit zwei gegenläufigen Quirlen verbunden ist. Geben Sie die Sahne in Ihre Schüssel, drehen Sie die Kurbel und freuen Sie sich: In wenigen Minuten haben Sie wunderbare Paul-Bocuse-Sahne geschlagen.

Ihre Suppe ist fertig. Sie lieben es, Baguettescheiben hineinzutunken. Also schnell ein paar Scheiben schneiden. Zu diesem Zweck zaubern wir Ihnen, die Sie die Bequemlichkeit lieben, ein Gerät auf den Beistelltisch, mit dem Sie von der hauchdünnen Aufschnittscheibe bis zum Käselaib alles durchkriegen: Den handbetriebenen Allesschneider. Die Edelstahl-Maschine wird seit vielen Jahrzehnten gebaut. Sie besitzt eine Kurbel mit Holzgriff, einen Schneidetisch und Füsse mit Saugnäpfen. Und natürlich ein rundes Messer, ca. 19 cm gross, das Ihr Brot etc. mit exakter Führung durchtrennt. Eine Schraube verstellt die Schnittbreite. Allesschneider sind unverwüstlich. Ich selbst besitze seit 20 Jahren ein Modell vom Trödelmarkt mit einem mintgrünen 60er-Jahre-Emailleüberzug. Ich habe schätzungsweise 50.000 Scheiben Brot mit ihm geschnitten.

Zum Schluss der Teppichdackel

Die Suppe ist fertig, das Brot geschnitten. Ach ja, die Krümel müssen vom Teppich gesaugt werden. Kein Problem für den Teppichdackel. Unter diesem Kosenamen firmiert die früher in vielen Haushalten verbreitete Teppichkehrmaschine: Ein Kasten mit Stiel, unter dem drei Kehrbürsten rotieren. Ein Drehknopf sorgt für die Feineinstellung auf Kurz- oder Langflorteppich. Ein paar mal hin und her rollen – weg sind die Weissbrotkrümel. Sehen Sie: Mit dieser sinnreichen Ausstattung haben Sie innerhalb eines Arbeitsvorgangs (Suppe kochen und Drumherum) vier elektrische Geräte eingespart – ohne sich zu verausgaben. Damit haben Sie das Recht erworben, ein Auto mit einem atomkraftablehnenden Aufkleber zu fahren.



 

Oberstes Bild: © ponsulak – Shutterstock.com


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